Chicago im Sommer: Die perfekte USA-Städtereise!

In einem Leben, das zum größten Teil aus Reisen besteht, bin ich Abschiede gewohnt. Eine Familie, klein, aber verstreut über die halbe Welt; ein Beruf, der ohne Reisen nicht existieren würde; meine immerwährende Vermutung, dass meine Eltern mir irgendwie Zigeunergene vererbt haben, weil ich auch privat vom Reisen nicht genug kriegen kann. Aber ich will mich nicht beklagen, schliesslich ist vieles davon frei gewählt – und das Unterwegssein hat definitiv schöne Seiten. Andere Eindrücke, spannende Begegnungen, inspirierende Orte. Nur das Abschiednehmen fällt mir oft immer noch schwer, egal, wie viel Erfahrung ich mittlerweile darin habe. Besonders von lieben Menschen, Freunden und Familie; manchmal auch von Orten (was man natürlich nicht vergleichen kann, aber ja, manchmal ist das eben so, dass man sich in die Magie eines Ortes verliebt). Und so wurde ich beim Abschied letztes Mal von Chicago sehr sentimental: Nur 24 Stunden hatten gereicht, mich von dieser Stadt faszinieren zu lassen. Vielleicht auch, weil ich ohne große Erwartungen dort landete.

Chicago: Der Geheimtipp unter amerikanischen Großstädten

Wer hat schon Chicago als coole Stadt auf’m Schirm? Während dieser Zeit, in der ich ausnahmsweise Lang- statt Kurzstrecke geflogen bin, war ich oft in den USA. Das nie wirklich gerne: die Flüge waren sowieso anstrengend, die Ruhezeit kurz und wenn man schon als eigentlicher Berlin-Langschläfer ungewohnterweise schon um vier Uhr morgens jetlagbedingt senkrecht im Hotelbett steht, dann nimmt der folgende halbe freie Tag schon keinen guten Anfang.

Und überhaupt gab es nicht viel, was mich an den Zielen in den USA reizte: Sicherlich – es war toll, mal Boston, Washington oder Denver kennenzulernen, von New York (das ich zwar schon kannte, doch von New York kriegt man/ich einfach nie genug) und Miami ganz zu schweigen. Aber New York ist nun mal New York, und Miami – naja, das war mit meinen südamerikanischen Wurzeln eher wie ein Heimatbesuch als das große Amerika.

Nur Chicago hatte mich zum Ende meines Langstreckengastspiels gepackt und das irgendwie ganz unerwartet. Auf meiner persönlichen Muss-ich-mal-gesehen-haben-Landkarte war Chicago nie existent – doch dann entpuppte es sich als eine so tolle Stadt, dass ich gar nicht mehr weg wollte: Großartige Architektur, eine Skyline und Großstadtflair fast wie in New York, tolle Museen, riesige Shoppingtempel und trotzdem eine freundliche, nahezu herzliche Atmosphäre, überall wo man hinkommt. Der miesepetrige Berliner in mir war irritiert und begeistert zugleich. Der Abschied war wie zu erwarten schwer, ich wäre zu gerne noch 1-2 Tage länger geblieben, aber im Dienst fragt einen ja keiner. Der Pick-Up wartet, los, los, ab zum Flughafen, zurück nach Deutschland. Und ich wusste: Ich war bestimmt nicht zum letzten Mal hier.

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Wie der Zufall es so wollte, landete ich fast ein Jahr später wieder in Chicago – und diesmal musste ich nicht wieder nach 24 Stunden zurück. Eins vorweg: An meiner Begeisterung für die Stadt hat sich nichts geändert.

Chicago als Sommer-Destination: Städtereise in die USA

Chicago kann im Winter eiskalt und mehr als ungemütlich werden – der Sommer ist dafür umso schöner. Grundsätzlich muss man in Chicago für sämtliche Wetterkapriolen gerüstet sein. Innerhalb weniger Tage änderte sich das Wetter von windig und regnerisch zur schlimmsten Hitzewelle mit offizieller Wetterwarnung. Aber die ständigen extremen Wetterwechsel schienen niemandem die gute Laune zu rauben und mehr als einmal hörte ich den allgemeinen Standardspruch zum Wetter:

Wenn du dir in Chicago anderes Wetter wünschst, wechsele einfach die Straßenseite!

Und so genießen alle den Sommer in Chicago: Mit freien Konzerten und Events überall, Straßenfesten, Strandleben (ja, kleine Strandabschnitte am Lake Michigan gibt’s auch fast mitten in der Stadt) oder einfach nur Grillen im Vorgarten.

Was kann man im Sommer in Chicago unternehmen? Einige Tipps.

Die Liste an Sehenswürdigkeiten und „Things to do“ in Chicago ist lang. Speziell im Sommer gibt es noch viel mehr Outdoor-Möglichkeiten, daher sind dies nur ein paar Vorschläge, um den Aufenthalt in Chicago zu gestalten.

Millenium Park – Konzerte für lau und ein Foto vor „The Bean“

The Bean heißt eigentlich Cloud Gate und ist eine Skulptur von Sir Anish Kapoor. Schnell wurde The Bean nach seiner Fertigstellung 2006 zum Wahrzeichen der Stadt und heute kloppen sich Scharen von Touristen tagtäglich davor, um das beste Foto zusammen mit The Bean zu ergattern. Ich natürlich auch, denn The Bean hat mich schon beim letzten Mal Chicago beeindruckt. Die Spiegelungen von Menschen, Skyline und Himmel auf der blank polierten Oberfläche sind einfach faszinierend.

Nebenan, im Jay Pritzker Pavilion, einem Open-Air-Gelände, und den angrenzenden Parks gibt es den gesamten Sommer hindurch kostenlose(!) Konzerte und Musikfestivals von Jazz über House bis Reggae, dazu noch allerlei Events wie morgendlichem Yoga oder Urban Gardening Projekten. Ein Blick in das jährliche Sommer-Programm des Millennium Parks lohnt sich!

Straßenfeste ohne Ende: Raus in die Kieze von Chicago!

Nicht nur mitten in der Stadt wird der Sommer gefeiert, auch in den einzelnen Stadtteilen und Bezirken von Chicago finden immer wieder Outdoor-Events statt. Chicago ist wahrlich ein Schmelztiegel vieler verschiedener Kulturen und jede einzelne feiert sich mit einem eigenen Event, so bekommt man den Eindruck. Bemerkenswert daran fand ich, das viele Einwandererfamilien in Chicago bereits seit mehreren Generationen in Chicago leben und immer noch ihre eigene Kultur pflegen – ohne sich dabei abzukapseln. Im Herzen sind alle auch Chicagoer – und diese Gemeinsamkeit spürt man. Auch in Bezug auf das multikulterelle Miteinander ist die Atmosphäre in Chicago wirklich einzigartig.

In Humboldt Park fand zum Beispiel das Puerto Rican Festival statt – Paraden, Autokorsos, ein Park voller Kirmesbuden und Salsa und Reggaeton an jeder Ecke. Einladend und offen für alle.

Oder es gibt Foodfestivals wie das Taste of Randolph in West Loop. Dieser Stadtteil war früher Gewerbegebiet, mit Lagerhallen und Fabriken, ist aber in den letzten Jahren zum absoluten Food-Mekka (die Chicagoer lieben gutes Essen sowas von! – da muss ich wohl auch nochmal was drüber schreiben, das verdient einen eigenen Post) und Hipster-Stadtteil mutiert. Rund um den Fulton Market und entlang der Randolph Street gibt es die tollsten Restaurants und Bars; so viele, dass man garantiert einige Wochen bräuchte, um sich da durchzuprobieren. Das „Taste of Randolph“ ist daher die beste Gelegenheit. Alle dieser Restaurants sind mit einem Essensstand vertreten und bieten ihre besten Gerichte zum kleinen Preis an. Dazu gibt’s Bühnen mit richtiger guter Musik – und wieder mal: einer absolut einladenden und entspannten Atmosphäre. Die sind einfach herzlich, diese Chicagoer.

Mit dem Segway durch die Parks von Chicago

Wenn man die ganzen Skyline-Fotos von Chicago sieht, scheint es unglaublich, dass es mitten in dieser Stadt große Grünflächen gibt. Aber so wie beim Central Park in New York hat man auch in Chicago wert darauf gelegt, mitten in der Stadt große Parks wie den Grant Park, der den Millennium Park beherbergt, oder den Lincoln Park mit seinem kostenlosen (!) Zoo zu unterhalten. Den Grant Park und die folgenden Grünflächen entlang des Ufer des Lake Michigan habe ich mit dem Segway erkundet – was rückblickend gesehen trotz der hohen Temperaturen echt eine gute Idee war. Zum einen kühlt der Fahrtwind ein bisschen, zum anderen ist die ganze Anlage so riesig, dass man zu Fuss lange unterwegs wäre. Touren lassen sich hier buchen. Und keine Angst, Segway fahren ist innerhalb weniger Minuten gelernt und macht jede Menge Spaß!

Chicago von oben – die zwei besten Möglichkeiten

Eine Stadt wie Chicago schaut man sich am besten von oben an – dafür gibt es zwei besondere Spots: den Willis Tower (früher Sears Tower und mal das höchste Gebäude der Welt) oder das 360 Chicago Observation Deck auf dem John Hancock Tower mitten auf der Michigan Avenue, der Haupteinkaufsstraße Magnificent Mile. Beide bieten bei gutem Wetter tolle Aussichten auf ganz Chicago und den Lake Michigan – und beide Locations haben noch ein extra Gimmick! Auf dem Skydeck des Willis Tower gibt es vier vollverglaste Austritte und im 360 Chicago kann man sich auf schräge Panoramafenster legen, die nach vorne kippen.

Früh kommen lohnt sich, die Aussicht ist besser und man erspart sich lange Warteschlangen, vor allem im Sommer. Auch der Sonnenuntergang von einer der Aussichtsplattformen ist sehenswert.

The 606 – Outdoor-Geheimtipp in Wicker Park

Die Stadtteile in Chicago sind definitiv eine Erkundungstour wert. Gegenden wie Wicker Park, Bucktown, Logan Square oder Boystown haben alle ihren eigenen Charme und man kann durchaus einen ganzen Tag damit verbringen, sich einzelne Stadtteile näher anzusehen. Wicker Park hat zum Beispiel jede Menge toller Cafés und Restaurants, bei denen man bei sommerlichen Temperaturen auch draußen sitzen kann (kommt mir als Klimaanlagenvermeider immer sehr entgegen!). Und kleine, feine Läden. Und zwischendurch Street Art. Die perfekte Umgebung also für einen chilligen Tag in Chicago!

Wer nach den Parks in Downtown noch mehr Lust hat auf Outdoor, der sollte sich in Wicker Park den 606 Trail ansehen – eine relative gut versteckte alte Hochbahntrasse, die ähnlich der Highline in New York zum Naherholungsgebiet umfunktioniert wurde. Die Zugänge sind auf Anhieb schwer zu finden und Touristen zieht es weniger her, aber ist man einmal oben, sieht man Chicagos Wohngebiete mal von einer anderen Perspektive. Schöner Kontrast zum geschäftigen Zentrum! Wie man am besten hinkommt: Webseite des 606 Trails.

Mit dem Boot, Bus und Bahn durch Chicago – Öffentliche Verkehrsmittel machen es einfach!

Weil’s letztes Mal so schön war, und um mich an diesen tollen Tag nochmal zu erinnern, habe ich dieses Mal wieder eine Bootstour gemacht. Die Möglichkeit durch die Wolkenkratzer fast hindurchfahren zu können, ist einmalig.

Bootstouren mit (wirklich guter Moderation) kann man hier buchen – oder man verzichtet auf das Drumherum und nimmt einfach eines der Water Taxis, die sind kleiner, meist nie überlaufen, und mit einem Tagespass für nur 10 Dollar kann man die Stadt erkunden wie mit einem Hop-On-Hop-Off-Bus, da die Water Taxis an allen wichtigen Punkten des Chicago River halten. Zusammen mit einem CTA Tagesticket für ebenfalls nur 10 Dollar, mit dem man alle öffentlichen Busse, U- und Hoch-Bahnen (inklusive der, die rundherum ums Zentrum fährt, The Loop – und tolle Aussichten bereith7ält) nutzen kann, ist das die perfekte Kombination.

Unterkünfte in Chicago

Ein Hotel oder eine Übernachtungsmöglichkeit ist in einer Stadt wie Chicago kein Problem – nur leider eben sehr teuer. Was sich aber auch bei dieser fantastischen Stadt wirklich lohnt.

Hier ein paar selbst getestete Hotel-Vorschläge:

Low Budget mit authentischem Charme: Freehand Chicago*, mittendrin und mit einer sensationell guten Bar nicht nur für Hotelgäste ausgestattet
Riesiger Hotelklassiker mit beeindruckendem Ballsaal als Eingangshalle: Hilton Chicago* an der Michigan Avenue
Direkt auf der Magnificent Mile: das Warwick Allerton Chicago* verbindet Großstadtflair mit klassischem Luxus

Im übrigen war mein Besuch in Chicago nur der Auftakt zu einer Reise auf der Route 66 durch ganz Illinois. Möchtest du den nächsten Teil nicht verpassen? Dann abonniere den RSS-Feed zu meinem Blog (z.B. mit Feedly – mehr über das Abonnieren von Blogs per RSS habe ich hier in meinen Blogempfehlungen geschrieben) oder meinen Newsletter:

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** Zur Information: Auf die Reise nach Chicago und Illinois wurde ich vom Tourismusbüro von Illinois eingeladen. Meine Meinung bleibt davon natürlich unberührt – ich war ohnehin schon vorher von Chicago begeistert :)

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