Eine Woche Roadtrip durch Texas: Cowboys, Canyons & Culture

Ein etwas anderer Roadtrip. Von Dallas aus geht es tief in die texanischen Weiten – an Orte, die du so wohl nie in Texas erwartet hättest. Welche Stopps lohnen sich wirklich, wie planst du entspannt, und wo wartet das beste BBQ?

Eigentlich war eine Reise in die USA immer eine sichere Bank: Überaus freundliche Menschen, spannende Superlative und ausgefallene kulinarische Leckereien, bei deren Nährstoffwerten man letztendlich doch froh ist, dass man ihnen zu Hause nicht zu oft begegnet.

Hähnchen und Pommes mit Dip in Korb

Aber die Welt steht Kopf und so höre ich neuerdings Reaktionen wie: “Was, du reist ausgerechnet jetzt in die USA?” und “Hast du keine Angst vor der Einreise?” – meine two cents dazu erfahrt ihr am Ende dieses Artikels. In jedem Fall pflege ich immer noch eine Vorliebe für exotische Reiseziele und, Überraschung, für mich zählt Texas definitiv dazu.

Sattel vor einer Texas-Karte an einer Holzwand.

Eine gute Woche bin ich mit Travel Texas durch einen der prominentesten Bundesstaaten der USA gereist und zugegeben, es war nicht immer einfach. Die angespannte politische Lage hängt wie ein Damoklesschwert in der Luft. Dennoch: Es gibt immer zwei Seiten einer Medaille. Gerade bei Reisezielen wie Texas lohnt es sich, sich einen offenen Geist zu bewahren und eine Reise als das zu nehmen, was sie letztendlich in diesem Fall auch war: ein ziemlich wildes Abenteuer.

Bunter Baldachin mit Streifen und Sternenmuster.

Episches Entertainment in Grand Prairie

Grand Prairie liegt genau zwischen den beiden texanischen Metropolen Dallas und Fort Worth – und damit auch in der Nähe vom Dallas/Fort Worth International Airport (DFW), einem der größten Flughäfen der Welt.

Wer hier schreibt

Hey, ich bin Tatiana & die Bloggerin hinter The Happy Jetlagger. Ich schreibe hier ehrlich, leidenschaftlich und authentisch über meine Reisen. Alle Tipps wurden von mir eigenhändig recherchiert!

Zavala’s Barbecue

Unser Roadtrip startet mit einer eindrucksvollen Einführung in die texanische Barbecue-Kultur: Bei Zavala’s Barbecue erwartet uns preisgekröntes Brisket, dem aber auch die anderen hauseigenen Spezialitäten wie Rippchen oder Jalapeño-Cheddar-Würstchen in nichts nachstehen.

Leuchtreklame "Lone Star Beer" im Fenster von Zavala's Barbecue in Grand Prairie, Texas.
Zwei große gemischte Fleischteller auf Papier bei Zavala's Barbecue.
Personen essen Barbecue mit Beilagen und Getränken.

Epic Central

Bestimmt wird mein Eindruck von Grand Prairie durch Epic Central, einem kürzlich geschaffenen, familienfreundlichen Entertainmentkomplex mit einem Indoor-Wasserpark, einer Boulderhalle, Hotels wie dem Hilton Garden Inn at Epic Central*, Grünanlagen und einem Gastronomiebereich.

Menschen schwimmen im sonnigen Pool im Epic Central Water Park in Grand Prairie.
Menschen gehen durch futuristischen LED-Tunnel bei Nacht in Epic Central in Grand Prairie, Texas.

Traders Village

In Grand Prairie findest du übrigens auch das Traders Village, den größten Flohmarkt der USA. Mit vielen Street-Food-Ständen, einer großen Showbühne für Live-Musik und zahlreichen Fahrgeschäften kommt hier jeden Samstag und Sonntag richtige Jahrmarktstimmung auf. Willst du aber in Ruhe durch das endlose Angebot der über 3500 Verkäufer stöbern, solltest du so früh wie möglich kommen!

Verschiedene Früchte auf einem Marktstand ausgestellt.
Im Traders Village findest du wirklich alles von Lebensmitteln…
Traditionelle indianische Kunst und Handwerk im Traders Village bei Grand Prairie, Texas.
…bis zu ausgefallenen Mitbringseln.
Ladenstraße im Traders Village mit Wasserturm im Hintergrund.
So leer ist es im Traders Village in Grand Prairie nur frühmorgens.

Essen & Trinken in Grand Prairie

Meine Food-Tipps für Grand Prairie: Vidorra für gehobenere mexikanische Küche in sehr coolem Ambiente, Chicken N Pickle für Snacks und Drinks nach einer Runde Pickleball auf den angeschlossenen Courts. Wenn du eine kulinarische Brunch-Location fernab von Restaurantketten suchst, empfehle ich dir das Good Day Café – aber Vorsicht, hier sind die Portionen texanisch riesig!

Gegrilltes Fleisch auf Holzkohlegrill serviert bei Vidorra in Epic Central
Moderne mexikanische Küche im Vidorra.

Grapevine: Perfekter Stopover in Dallas

Falls du einmal in die Verlegenheit kommen solltest, Zeit am Flughafen Dallas/Fort Worth totschlagen zu müssen, aber keine Lust auf die immer gleiche Flughafenatmosphäre hast, kannst du auch für ein paar Stunden oder vielleicht sogar eine Übernachtung nach Grapevine verschwinden.

Straßencafé auf der Main Street in Grapevine mit gestreiftem Sonnenschirm und Autos

Der Trinity Metro TEXRail bringt dich in nur 10 Minuten direkt vom Flughafen in das historische Zentrum von Grapevine, wo du entlang der Main Street einige süße Boutiquen, Cafés und Restaurants findest.

Lust auf noch mehr spannende Reisetipps für die USA?
Hier auf dem USA Blog findest du interessante Reiseziele im Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Eingang der Farmer's Markets in Grapevine mit Blumen.

Harvest Hall

Gleich am Bahnhof solltest du einen Stopp in der Harvest Hall einlegen, einem großen Gastronomiebereich mit vielen Foodständen. Die Harvest Hall ist Teil eines Nachbaus des ehemaligen Bahnhofsgebäudes, der übrigens auch ein ziemlich hübsches Boutiquehotel, das Hotel Vin*, beherbergt. Mein persönlicher Tipp, falls du einmal in Flughafennähe übernachten musst!

Lieber direkt in der Stadt übernachten? Hier findest du Hotels in Downtown Dallas*

Innenraum der Harvest Hall in Grapevine mit Food Court.
Rote Lokomotive mit der Nummer 2016 der Cotton Belt Vintage Railroad am Bahnhof in Grapevine, Texas

Vintage Railroad Tour

Vom Bahnhof aus kannst du auf eine kleine Tour mit dem historischen Zug umsteigen, der dich durch die weite Landschaft des Cotton Belt fährt und dich auf eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit Grapevines schickt.

Hier kannst du Tickets für die Vintage Railroad Tour buchen*

Waggon der Cotton Belt Vintage Railroad am Bahnhof in Grapevine
Wasserturm in Grapevine, Texas, mit Windmühle und Aufschrift: Cotton Belt Route

Lubbock: Kunst & Kultur im Panhandle von Texas

Gut 560 Kilometer von Dallas entfernt liegt Lubbock, das vor allem als Zentrum einer der größten Baumwollregionen der Welt bekannt ist. Dass die Gegend landwirtschaftlich geprägt ist, fällt schon auf dem Weg in die sogenannten South Plains von Texas auf.

Die Straße scheint ewig geradeaus zu führen und die Weite der Felder rechts und links ist schier unendlich. Unterbrochen wird die Landschaft nur dann und wann durch winzige Ortschaften, die so klein sind, dass man sie fast zu spät bemerkt.

Stoffabzeichen mit Cowgirl-Spruch und Cowboy-Stiefelbild

Art District

Obgleich Lubbock sehr abgelegen scheint, überrascht die Stadt mit einer jungen, kunstinteressierten Szene: Dass ich mal mitten im sogenannten Panhandle von Texas einen Töpferkurs im neu geschaffenen Art District in Lubbock besuche, hätte ich wohl so auch nie für möglich gehalten.

Künstlerwerkstatt mit Regalen und Materialien
Lubbock: Arty und jung.
Hand mit dekoriertem Hut und Streichholzschachtel
Bei Wild Honey Hats in Lubbock habe ich mir einen Cowboyhut individuell designen lassen.

Übernachten in Lubbock

Hoteltipp: The Cotton Court Hotel* – ein sehr hübsches Boutiquehotel, in dem du stilecht in alten Baumwollscheunen nachempfundenen Zimmern übernachtest.

Poolbereich im Cotton Court Hotel, Lubbock.
Tipp: The Cotton Court Hotel in Lubbock

Caprocks Canyon State Park

Ist dir eher nach Natur, empfehle ich dir einen Abstecher in den Caprocks Canyon State Park. Dort kannst du nicht nur die wilde Natur rund um den Canyon mit seinen beeindruckenden roten Steilwänden bewundern, sondern auch wild lebende Bisons beobachten.

Grüne Landschaft mit roten Felsen im Caprocks Canyon State Park in Texas.

Achtung: In den Sommermonaten wird es hier wirklich sehr heiß – achte auf die Warnungen der Parkranger. Meide heiße Tage und statte dich gut mit Wasser und Sonnenschutz aus. Die Gefahr eines Sonnenstichs oder gar Hitzschlags ist nicht zu unterschätzen. Alternativ zu verschiedenen Trails gibt es auch einen Scenic Drive, der dich per Auto durch einen Teil des Parks führt.

Bisons im Caprocks Canyon State Park, aus Autofenster betrachtet.
Bisons weiden auf einer Wiese am Flussufer im Caprocks Canyon State Park in Texas.

Amarillo: Route 66 & Cowgirl Momente

Eigentlich fiel mir vor meinen Trip zu Amarillo nur der alte Schlager von Tony Christie ein: „Is this the way to Amarillo?“ Aber wusstest du, dass Amarillo auch ein Stopp auf der berühmten Route 66 ist? Nachdem ich in Illinois bereits einige Orte entlang dieser ehemals wichtigen Hauptverkehrsader erkundet habe, war ich umso überraschter!

Hier findest du alle Artikel über die Route 66

Oldtimer auf der Route 66 in Amarillo.

Historical Route 66

Die historische Route 66 liegt inzwischen mitten in Amarillo und ist gesäumt von kleinen Antiquitätenläden, ausgefallenen Second-Hand-Stores und hübschen Cafés.

Dort findest du so interessante Geschäfte wie das atmosphärische Aunt Eeks oder Chapterhouse Books, deren Betreiberin sich für die Rechte der LGBTQ+- und der migrantischen Community in der Umgebung einsetzt und marginalisierten Gruppen damit einen wichtigen Safe Space anbietet.

Straßenszene mit Vintage VW Bus und blauem Wasserturm mit Route 66 Aufkleber in Amarillo.
Buchhandlung Chapterhouse Books in Amarillo, Texas, mit Regalen und Büchern auf einem Tisch.

Cadillac Ranch

Ebenfalls eine Hommage an die wichtige Bedeutung der Route 66 ist die Cadillac Ranch, die sich neben dem heutigen Interstate Highway I-40 befindet.

Bunte, bemalte Autowracks in der Wüste auf der Cadillac Ranch in Amarillo, Texas.

Die bunte Kunstinstallation besteht aus zehn hochkant in den Boden eingelassenen Cadillacs, die kostenlos besichtigt werden können. Jeder Besucher darf sich auf den Karosserien mit eigenen Graffitis künstlerisch verewigen – somit verändert sich das Aussehen der Installation ständig.

Cowgirls & Cowboys in the West

Möchstest du dein inneres Cowgirl oder deinen inneren Cowboy channeln, empfehle ich dir einen Ausflug zu Cowgirls and Cowboys in the West vor den Toren der Stadt.

Inhaberin Phyllis hat sich nach einer erfolgreichen Karriere in der Hotellerie dazu entschieden, das Businessleben gegen ein Leben auf ihrer Los Cedros Ranch zu tauschen. Das Besondere: Auf der Farm arbeiten fast ausschließlich waschechte Cowgirls statt Cowboys.

Mehrere gesattelte Pferde von Cowgirls und Cowboys in the West am Zaun.

Nach einer kurzen Einführung kannst du hier wie ein echtes Cowgirl bzw. echter Cowboy auf Pferden reiten, die Inhaberin Phyllis liebevoll zum Teil von anderen Ranches gerettet hat und ihnen jetzt ein neues Heim gibt. Nebenbei genießt du spektakuläre Aussichten auf den Palo Duro Canyon, den zweitgrößten Canyon der USA.

Cowgirl reitet auf geschecktem Pferd vor Scheune.
Zwei Cowgirls mit weißen Hüten vor Pferdern auf der Los Cedros Ranch bei Amarillo, Texas.
Touristen reiten mit einer Tour von Cowgirls and Cowboys in the West entlang des Palo Duro Canyon.

Hilfreiches für deinen Roadtrip durch Texas

Braucht man unbedingt ein Auto?

Absolut. Spätestens wenn du die Großstädte wie Dallas, Houston oder Austin verlassen willst, kommst du ohne Auto nicht zurecht. Die USA sind Autofahrer-Land, Texas umso mehr.

Was muss man bei Mietwagen in Texas beachten?

Zum Anmieten eines Fahrzeugs reicht der EU-Führerschein, in der Regel verfügen Mietwagen über ein Automatikgetriebe und entspanntes Autofahren sowie Parken sind sogar in Großstädten problemlos möglich.

Hier kannst du Mietwagen in Texas buchen*

Klassischer goldener Cadillac mit Nummernschild "Eat Beef".

Wie ist die Einreise in die USA?

Ich bin über den Flughafen Dallas-Fort Worth in die USA eingereist und kann wirklich nichts Aufregendes berichten, außer dass die Einreise so verlief, wie jedes Mal: Lange Wartezeiten, sehr ernst schauende Immigration Officer mit noch ernsteren Fragen und kurz bevor ich vor lauter Respekt total die Nerven verliere, fällt die Maske, ich werde angelacht, mein Gegenüber macht vielleicht sogar noch einen kleinen Scherz, wünscht mir in jedem Fall aber amerikanisch-freundlich einen schönen Aufenthalt und schwupps, bin ich eingereist.

Die Einreise war absolut kein Problem.

ESTA oder Visum: Das musst du vor deiner Einreise beantragen

Ich besitze ein Touristenvisum für die USA, ist aber nur nice to have und kein Muss. Mit einem deutschen Pass musst du ansonsten nur eine ESTA beantragen. Geht unkompliziert online, kostet derzeit 21 US-Dollar und ist für zwei Jahre gültig, falls dein Reisepass nicht vorher abläuft.

Werkstatt mit Vintage-Straßenschild und Schließfächern im Cast Iron Grill in Lubbock, Texas

Persönlich finde ich die derzeitige Diskussion über die Einreise in die USA ein bisschen zu sehr von der aktuellen politischen Lage getrieben. Die Einreise war allerdings noch nie ein lustiges Highlight - selbst unter anderen Regierungen.

Vielleicht ist man aber auch mit einem Pass wie dem deutschen, mit dem einem so ziemlich alle Länder der Welt offen stehen, etwas irritiert, wenn es zu Schwierigkeiten kommt. Ich selbst wurde (mit meinem deutschen Pass) zwei Mal bei der Ein- und Ausreise in einem anderen Land richtig auseinandergenommen; ich vermute bis heute auf Grund von Racial Profiling, weil man mir ansehen kann, dass mein Stammbaum divers ist. Seitdem kann ich jede Person verstehen, der sich dem potentiellen Risiko einer eingehenden Befragung durch Grenzbeamte nicht aussetzen möchte. Mach dir also selbst ein Bild und beurteile die Situation nach deinen persönlichen Gegebenheiten.

Original Cowboy-Stiefel in einem Regal

Sollte man jetzt in die USA oder speziell Texas reisen?

Wenn deine politische Haltung ein Grund ist, warum du dir diese Frage stellst, solltest du dir genau überlegen, ob eine Reise in einen ziemlich konservativen Bundesstaat wie Texas etwas für dich ist. Manchmal kommt in Gesprächen mit Locals doch die Gesinnung zu Tage und wenn du da eine eigene starke Meinung (und/oder wie ich eine latein-/südamerikanische/generelle Migrationsgeschichte) hast, kann das schon eine Herausforderung werden.

Ich denke allerdings, dass es immer auch Gegenbewegungen gibt, unter die man sich mischen kann – und die lohnt es sich zu entdecken und zu unterstützen.

Alternative Hefte mit bunten Covern auf einem Ständer bei Auntie Eeks in Amarillo, Texas.

Aus rein logischer Sicht ist meiner Meinung nach jetzt sowieso die beste Zeit für eine Reise in die USA. Dort, wo sich üblicherweise sehr viele ausländische Touristen aufhalten, ist es bedeutend leerer und der Dollar ist günstig: Beste Voraussetzungen für einen entspannten Urlaub.

In jedem Fall aber solltest du ein Auge auf aktuelle Geschehnisse haben und deine Reisepläne danach ausrichten. Konsultiere die Seiten des Auswärtigen Amts, schaue Nachrichten, sei wachsam – aber das gilt ja auch für so ziemlich jedes andere Reiseziel.

Disclaimer: Die offizielle Tourismusorganisation des Bundesstaat Texas, Travel Texas, hat mich auf diese Reise zu Recherchezwecken eingeladen.


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