Oft sind es ja die Orte, die eigentlich kein Schwein kennt, die den Unterschied machen. Nicht, dass Kuala Lumpur auf meiner Reise durch Malaysia im letzten Oktober nicht interessant gewesen wäre. Oder Singapur, wo ich später war. Hat ja auch seinen Grund, warum Tausende Touristen aus aller Welt hinpilgern. Aber am Ende sieht man auch nur das, was man schon aus etlichen Reiseführern oder neuerdings immer öfter aus seinem Instagramfeed kennt. Das mal live und in Farbe zu sehen, ist natürlich auch spannend und ich will nicht pampig klingen – aber am Ende haben auch Orte wie Ipoh in Malaysia seinen Reiz, eben genau weil diese noch nicht so durchgenudelt sind.

Wenn ich länger unterwegs bin, dann mache ich also gerne Halt an nicht ganz so überlaufenen Orten. Einfach, um mal vom üblichen Touristenstrom abzuweichen. Ganz so untouristisch ist Ipoh auch nicht – allerdings stammt die große Mehrheit der Besucher aus China, westliche Touristen scheinen Ipoh kaum zu kennen. Und das, obwohl Ipoh ein echt schöner Zwischenstopp für 1-2 Tage ist, wenn man in Malaysia unterwegs ist.

Die Altstadt von Ipoh

Die Altstadt ist klein, aber fein, mit vielen Gebäuden aus der Kolonialzeit. Und einigem an Street Art – was schon mal eine schöne Einstimmung ist auf Georgetown, falls man sich auf dem Weg dorthin befindet. Die meisten Murals sind leicht zu finden, sogar über Google Maps. Oder man besorgt sich eine Karte vom Fremdenverkehrsbüro. Die sind sowieso in Malaysia sehr gut organisiert – auch was, womit ich nicht gerechnet hätte.

Über den Ipoh Heritage Trail kommt man an allen sehenswerten Gebäuden der Stadt vorbei – aus einer Zeit, in der Ipoh wegen seiner nahen Zinnvorkommen noch so reich war, dass es die “Stadt der Millionäre” genannt wurde. Und immer wieder gibt’s kleine Gassen und schöne Details zum Erforschen und Entdecken. Gerade der Umstand, dass Ipoh eben nicht so glatt poliert ist und an vielen Stellen immer noch einen leicht morbiden Vintage-Charme hat, macht die Altstadt so besonders.

Die Concubine Lanes

Das Touristen-Epizentrum von Ipoh ist die Concubine Lane, eine schmale Gasse gespickt mit Geschäften, Restaurants und Straßenständen. Von den Concubine Lanes gibt es eigentlich drei; in grauer Vorzeit hat ein Zinnbaron jeder seiner drei Frauen eine Straße geschenkt, und ließ sie dort für ihre eigene Kasse die Mieten eintreiben – daher auch drei Concubine Lanes. Heute spielt sich das Treiben hauptsächlich auf einer einzigen ab, der Lorong Paglima, die gemeinhin als Concubine Lane bekannt ist.

Auf der heutigen Market Lane, der Second Concubine Lane, findet man zwar keine Geschäfte, kann sich aber in Ruhe Street Art Murals und mit gutem Auge hindrapierte Accessoires wie zum Beispiel einen uralten Käfer anschauen. Nur das mit den Schirmen… ist irgendwie auch schon oll… im wahrsten Sinne des Wortes.

Wohl am detailreichsten errichtetes Schmuckstück in der Altstadt von Ipoh ist der Kong Heng Square, ein kleiner Häuserblock mit Geschäften und Cafés. Und wirklich toll gemacht. Die Bäume, die einfach so seit Jahrhunderten im Innenhof wachsen und einfach in die Neugestaltung der Gebäude integriert wurden, lassen einen fühlen wie in Angkor Wat. Ein bisschen sehr auf Hipster-Publikum abgestimmt, trotzdem kann man hier schön in den kleinen Shops handgemachte Mitbringsel shoppen und gut in den Cafés und Restaurants essen und trinken.

Street Art in Ipoh

Was in Georgetown auf der malaysischen Insel Penang funktioniert, muss auch in Ipoh gehen. Muss sich irgendjemand wohl gedacht haben. Georgetown ist mittlerweile nämlich bekannt für seine größtenteils interaktiven Murals, hauptsächlich bekannt geworden durch den Litauer Ernest Zacharevic. (Von dem übrigens auch in Ipoh das ein oder andere Mural zu sehen ist.) Der hat sich mit einigen Werken in Penang sogar den Spitznamen “Banksy aus Malaysia” eingehandelt und vor seinen Murals in Georgetown stehen Touristen sogar endlos Schlange, um auch mal ein Foto zu ergattern.

Soweit ist es in Ipoh noch nicht. Aber Street Art findet sich trotzdem überall. Es gibt sogar neben der bekannteren Market Lane auch eine komplette Gasse nur mit Street Art, die Mural Arts Lane. Teils schön, teils weniger, in jedem Fall aber nicht so überlaufen wie in Georgetown. Da die Altstadt auch sehr übersichtlich ist und viele Werke zentral liegen, kann man sich in nur kurzer Zeit eigentlich alle interessanten Murals anschauen.

Night Market: Das Nachtleben von Ipoh

Wie es sich für Südostasien gehört, gibt’s auch in Ipoh einen Nachtmarkt. Der befindet sich aber außerhalb der Altstadt, und wenn man wirklich nach Einbruch der Dunkelheit hinwill, nimmt man sich besser ein Taxi bzw. Uber oder Grab (das ist meist noch etwas günstiger als Uber und irgendwie auch beliebter). Der Weg zu Fuss ist zwar nicht weit, aber die Straßen unterwegs eher düster – und das war mir die Ersparnis nicht wert. Der Markt an sich ist leider nicht besonders spektakulär, hauptsächlich wird gefälschter China-Schnickschnack und belangloser Klimbim angeboten. Wer also auf der Suche nach einheimischen Kunsthandwerk oder sonstigen authentischen Mitbringseln wird hier wohl eher nicht fündig. Dafür gibt aber hier spannendes Street Food: An einer Straßenecke gibt’s ein Restaurant namens Lou Wong, dass wohl bekannt ist für sein Hühnchen mit Reis und Sojabohnensprossen. Jedenfalls ist der Laden der vollste und größte weit und breit, und eine Karte gibt’s auch nicht. Denn es gibt eh nur das eine Gericht auf simplem orangefarbenen Plastik-Campinggeschirr, wahlweise eben Hühnchen oder die vegetarische Variante (was wahrscheinlich dann einfach das Ganze ohne Hühnchen ist). Bestellt wird mit Händen und Füßen, englisch spricht keiner. Ist aber auch egal. Hauptsache lecker – und ‘ne Empfehlung ist das Lokal für abenteuerlustige Esser alle mal wert.

Ipoh fand ich wirklich ganz hübsch, und hätte ich nicht nur drei Wochen insgesamt für die gesamte Reise Zeit gehabt, wäre ich wahrscheinlich noch etwas länger geblieben. Auch, um das Umland zu erkunden. Soll laut dem Bericht von Sara und Marco von Love&Compass auch sehr sehenswert sein. Ich denke, gerade für Langzeitreisende ist Ipoh bestimmt eine gute Abwechslung, um mal vom vielen Reisen runter zu kommen und einfach nur mal ein paar Tage durchzuhängen.

Von und nach Ipoh

Ipoh liegt nördlich der Cameron Highlands auf dem Weg nach Penang/Georgetown und bietet sich auch daher perfekt als Zwischenstopp an. Außerdem ist Ipoh absolut verkehrsgünstig gelegen: Es gibt eine Zugverbindung nach Kuala Lumpur, einen Flughafen mit Verbindungen innerhalb Malaysias und nach Singapur und einen großen Busbahnhof außerhalb der Stadt, von dem man in alle Landesteile kommt. (Busfahren ist in Malaysia überhaupt sehr empfehlenswert, günstig und viel komfortabler, als man sich vorstellt!)

Lesetipps:

Ipoh: Der größte Geheimtipp des Landes (Blogpost von Love&Compass)
Kulinarische Tipps für Ipoh und mehr bei Reisehappen
Noch mehr Tipps für Ipoh bei Globuspokus
Interessanter Artikel der New York Times über das aufstrebende Reiseziel Ipoh
Stefan Loose Malaysia* (mein Favorit unter den Reiseführer für Malaysia)

*Affiliatelink (Was ist das?)

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