Schon erstaunlich – da fährt man nur wenige Kilometer aus dem geschäftigen Bilbao hinaus, und schon landet man mitten in einer sattgrünen Berglandschaft. In Balmaseda, einer Kleinstadt der Region Encarterri, kannst du nicht nur mehr über die ereignisreiche und lange Geschichte des Baskenlandes erfahren, sondern auch einem der liebsten Hobbys der Basken frönen: dem Essen.
Die Comarca Enkarterri (auf Spanisch Las Encartaciones) ist eine Region ganz im Westen der Provinz Bizkaia (Vizcaya). Die Comarca umfasst mehrere Gemeinden, darunter Balmaseda als historisches Zentrum, und ist bekannt für ihre traditionelle Architektur, ihre wichtige Rolle in der Industriegeschichte und eine beeindruckende Landschaft.


Die Rolle von Balmaseda im Baskenland
Die strategisch günstige Lage machte Balmaseda über Jahrhunderte hinweg zu einem wichtigen Handelsknotenpunkt. Im Tal des Flusses Kadagua gelegen, verband Balmaseda die Küste mit dem kastilischen Hinterland. Auch eine weniger frequentierte, dafür landschaftlich reizvolle Nebenroute des Jakobswegs, der Camino Olvidado, führt durch Balmaseda. Entsprechend kamen nicht nur Händler, sondern auch viele Reisende und Pilger durch den Ort, was Balmaseda lange Zeit wirtschaftlich und kulturell geprägt hat.
Altstadt von Balmaseda
Im Jahr 1199 gegründet, gilt Balmaseda als der älteste Ort der Provinz Bizkaia. Somit findest du hier ein großes Stück baskischer Geschichte mit vielen architektonischen Highlights verschiedener Epochen. Die Altstadt von Balmaseda ist klein, übersichtlich und nicht überlaufen: Perfekt für eine kleine Erkundungstour. Der Ort selbst ist auch nicht besonders touristisch, so dass du hier in aller Ruhe durch die mittelalterlichen Gassen schlendern und die Umgebung erkunden kannst. Ich stelle dir ein paar der prägnantesten Bauwerke vor.
Hey, ich bin Tatiana & die Bloggerin hinter The Happy Jetlagger. Seit 2014 schreibe ich hier ehrlich, leidenschaftlich und authentisch über meine Reisen. Ohne großes Team hinter mir bin ich quasi das Mädchen für alles: Alle Tipps sind eigenhändig von mir recherchiert & empfohlen!


Wichtigste Sehenswürdigkeiten in Balmaseda
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Puente de la Muza oder Puente Viejo
Besonders markant ist die Puente de la Muza. Sie wird dir garantiert sofort ins Auge fallen, denn die mittelalterliche Brücke sorgt für das romantische Panorama Balmasedas. Oft wird sie auch einfach nur Puente Viejo, also alte Brücke, genannt. Da Balmaseda im Mittelalter genau auf einem wichtigen Handelsweg lag, spielten Brücken wie die Puente Viejo als Zollstelle eine bedeutende Rolle im täglichen Warenverkehr. Bis heute zeugt der kleine Brückenturm noch von dieser Zeit.


Kirche San Severino
Mitten in der Altstadt an der Plaza San Severino befindet sich die gleichnamige Kirche. Im gotischen Stil im 15.Jahrhundert erbaut, ist die Kirche San Severino dem Schutzpatron der Stadt gewidmet.
Tipp: Jedes Jahr am 23. Oktober findet übrigens ein großes Straßenfest zu Ehren des Schutzpatrons San Severino statt, das du dir nicht entgehen lassen solltest, wenn du in der Nähe bist. Freunde und Familien treffen sich am Día de las Putxeras auf den Straßen, um zusammen eine Putxera zu kochen.


Die Putxera ist ein Bohnengericht, das typischerweise in einem Alutopf zubereitet wird – eine alte Eisenbahnertradition. Einst haben nämlich Lokführer, Bremser und andere Bahnmitarbeitende damit auf langen Fahrten über Holzkohle gekocht – heute ist die Putxera eine lokale Spezialität. Übrigens: Teil der Feierlichkeiten ist auch der Putxera-Wettbewerb, bei dem eine Jury mit viel Wirbel die beste Putxera kürt!

Kirche San Juan
Die Kirche San Juan ist ebenfalls zur gleichen Zeit im 15. Jahrhundert im gotischen Stil erbaut. Sie liegt direkt am Fluss Kadagua in der Nähe der Puente de la Muza und beherbergt das Stadtmuseum.
Öffnungzeiten des Stadtmuseums

Museum La Encartada
Die alte Wollfabrik La Encartada gehört zu den absoluten Highlights von Balmaseda. Sie liegt etwas außerhalb der Altstadt, kann mit knapp zwei Kilometern Entfernung aber auch zu Fuß erreicht werden. Eine schöne Möglichkeit, die Landschaft zu genießen, denn die Fabrik befindet sich mitten im Grünen.

Genau hundert Jahre, von 1892 bis 1992, wurden hier Wollwaren, aber vor allem die berühmten Baskenmützen, die Boinas, produziert. Nach der Schließung blieb in den alten Hallen die Zeit einfach stehen und die Fabrik wurde schließlich 2007 als Museum wiedereröffnet. Bemerkenswert ist, wie gut die Einrichtung erhalten ist. Ein großer Teil der Maschinen stammt sogar noch aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Außerdem kannst du hier den kompletten Produktionsprozess vom Rohmaterial bis zum fertigen Produkt an einem Ort nachvollziehen.





Zusätzlich kannst du einen Blick in das Leben der damaligen Zeit werfen, denn ursprünglich wohnten die Arbeiter auch vor Ort. Und generell findest du viele Informationen und Dokumente aus einer Zeit, in der die Industrie im Baskenland einen großen Einfluss auf die damalige Wirtschaft hatte.



La Encartada fand ich wirklich sehr beeindruckend. Die Ausstellung mit den Produktionsanlagen und den dekorierten Details in der stillgelegten Fabrik ist ansprechend gestaltet und du kannst dir sofort vorstellen, wie hart hier früher gearbeitet wurde. Auch unglaublich ist, dass diese Maschinen noch bis zur Schließung 1992 genutzt wurden – so robust waren sie gefertigt.


Schade nur, dass es keinen wirklichen Souvenirshop gibt – nach so viel Textilkunde und baskischer Industriegeschichte hätte ich am liebsten noch durch eine große Auswahl von Baskenmützen gestöbert und mir ein passendes Andenken gekauft. Aber gut – in La Encartada wird ja eh nicht mehr produziert. An der Kasse werden einige Modelle verkauft, soweit ich das sehen konnte, aber auch in der Altstadt von Bilbao z.B. findest du noch kleine, traditionelle Geschäfte, in denen die echten Baskenmützen aus Merinowolle des letzten in Spanien verbliebenen Herstellers Elósegui aus Tolosa verkauft werden.


Suchst du nach Tipps für Bilbao?
Hier findest du meinen kompletten Guide
Essen & Trinken in Balmaseda: Baskische Küche neu interpretiert
Falls du bisher noch nicht überzeugt bist, dass sich ein Abstecher hierhin lohnt – allein schon wegen der folgenden Location wirst du es nicht bereuen. Typisch baskisch wird nämlich auch außerhalb der größeren Städte großer Wert auf gute Küche gelegt.
Das Teike ist ein ziemlich hübsches Fine-Dining-Restaurant mitten im Herzen der Stadt und serviert sowohl traditionelle Gerichte wie den kräftigen Eintopf Putxera, der stilecht im kleinen Alutopf serviert wird, als auch moderne Kreationen. Am besten reservierst du im Voraus und probierst dich mit dem Degustationsmenü quer durch alle Leckereien.



Torre Lozaiga
Wenn du mit dem Auto nach Balmaseda unterwegs bist, ist der Torre Lozaiga mit seinem angeschlossenen Museum ein schöner Zwischenstopp. Inmitten der sattgrünen Berglandschaft des Baskenlandes gelegen findest du hier einen für die Region typischen mittelalterlichen Wehrturm. Diese Befestigungstürme dienten einst Adelsfamilien als Wohnsitz und Verteidigungsanlage.


Charakteristisch für diese Wehrtürme ist der massive Bau mit eher kleineren Öffnungen in den unteren Bereichen. Diese Bauweise sollte den Schutz vor Eindringlingen erhöhen. Den Turm selbst kannst du nicht besichtigen, dafür befindet sich auf dem Gelände ein weitläufiges Automobilmuseum mit einer umfassenden Rolls-Royce-Sammlung aus allen Modellen, die jemals zwischen 1910 und 1990 gebaut wurden. Interessierst du dich für Oldtimer, wirst du hier deine wahre Freude haben!


Das privat geführte Museum ist ein ziemlicher Geheimtipp und etwas abgelegen. Du solltest daher vor einem Besuch unbedingt noch einmal die Öffnungszeiten checken.
Wie kommst du nach Balmaseda?
Balmaseda ist von Bilbao aus sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Ein Regionalzug verbindet die beiden Städte; vom zentralen Bahnhof Abando in Bilbao beträgt die Fahrzeit ca. eine Stunde. Auch ohne Mietwagen oder eigenes Auto ist Balmaseda damit ein praktisches Ausflugsziel, wenn du das baskische Hinterland abseits der üblichen Touristenpfade kennenlernen möchtest.
Hier kannst du den Fahrplan für den Regionalzug zwischen Bilbao und Balmaseda checken
Um den auf halbem Weg etwas abgelegenen Torre Lozaiga zu besuchen, brauchst du allerdings schon ein Auto bzw. einen Mietwagen*.
Dieser Artikel entstand mit Unterstützung von Visit Euskadi.