Von Missgeschicken und anderen Dramen.

Eigentlich sollte hier einer von mehreren Texten über Porto stehen. Irgendwas über die zehn besten Sehenswürdigkeiten, so’n Kram halt, wo man die besten Pasteis de Nata bekommt und was Porto besonders macht. Das Übliche an Tipps. Gespickt natürlich mit Tonnen von Fotos, die ich in den letzten Tagen gemacht habe. Ganz schön viel, was ich für drei Tage Porto geplant hatte: Sightseeing und Schreiben und Fotografieren. War klar, dass ich das nicht schaffe. Mir zu viel vornehmen kann ich sowieso gut und:

Es kommt immer anders, als man denkt.

In diesem Fall besonders. Hatte ich noch am zweiten Tag beinahe ein 1000-Euro-Objektiv geschrottet (Instagram-Stories-Gucker werden das Drama gesehen haben), wurde es an Tag 3 noch besser. Das Objektiv hat den Sturz auf die blanken Badezimmerfliesen dank aufgeschraubtem UV-Filter und einer goldigen Verkäuferin, die dafür gesorgt hat, dass mir ein Fachmann sofort den zersplitterten Rest vom Filter ohne Kratzer abpopelt, letztendlich aber überstanden. (Leute, macht euch Filter auf die Linsen!! Ihr könnt nicht ahnen, was ich mir in die Hosen gemacht habe, als ich klirrendes Glas in der Kamera gehört habe!)

Achtung unbezahlte Werbung (und somit doch noch ein kleiner Tipp für Porto an dieser Stelle): Wenn ihr mal was an der Kamera habt, oder Foto-Spezialkram in Porto braucht: AFF in der Rua Bonjardim. Richtig klassisches Old-School-Fotogeschäft mit Werkstatt im 4.Stock, in den die Verkäuferin sogar für euch hochrennt.

Das Drama nimmt seinen Lauf.

An Tag 3 dann… eigentlich mag ich kaum darüber schreiben. Weil’s mir wirklich unangenehm ist, kennt ihr das? Ich bin wirklich ungeschickt, zumindest kommt es mir so vor. Mit dem Kopf immer irgendwo in Gedanken, passieren mir die dümmsten Sachen. Ich lache dann immer darüber, besonders, wenn andere das Unglück mitkriegen oder ich es erzähle, haha, lustig lustig, alle lachen mit, ach, ich bin so ungeschickt, ja, aber ehrlich, boah, bist du blöd – und spätestens da fängt’s an, für mich nicht mehr lustig zu sein. Ich will eben nicht der Trottel sein, dem ein Missgeschick nach dem anderen passiert und damit andere belustigt. Wer will das schon.

Beim beinah kaputten Objektiv sollte es nicht bleiben: An Tag 3 habe ich mein MacBook geschrottet. Und dieses Mal richtig. Totalschaden könnte man sagen. Übrigens zum zweiten Mal in einem Jahr: Kaputtes Display, das hat mich beim letzten Mal schon um die 400 Euro und einen Besuch in einem dieser ätzenden Apple Stores gekostet, bei denen man schon im Vorfeld online um Termine kämpfen muss wie sonst nur um Tickets für ein WM-Finale, nur, um dann beim Hipster-Empfangspersonal, denen das bibelgleiche iPad an die Handfläche geklebt zu sein scheint und das ihnen noch eine zusätzliche Aura der Macht in diesem skurrilen Szenario verleiht, für eine Audienz bei einem Techniker vorsprechen zu dürfen.

Nun isses also im Arsch, das MacBook, lustigerweise, weil ich mich mit meinem Arsch hab drauffallen lassen (was mich leidigerweise daran erinnert hat, dass der auch unbedingt mal schmaler werden sollte, nicht nur des Macbooks wegen), also nicht absichtlich, eigentlich habe ich mich nur aufs Bett fallen lassen, aber dummerweise war das aufgeklappte Display dazwischen. Knack. Was dann folgte, war ein filmreifer Nervenzusammenbruch, albern, ich weiß, wegen eines kaputten Laptops. Mein Stiefvater, Gott hab ihn selig, der immer über mich gelacht hat, wenn ich im Streit die Nerven verlor und mir immer an den Kopf warf, ich solle doch einfach Schauspielerin werden, da könne ich den ganzen Tag Theater spielen, hätte seine Freude gehabt.

Aber ich bin ja ein Verfechter der Theorie, dass im Leben nichts ohne Grund passiert. Das Universum hatte mir dringend was mitzuteilen. Eigentlich hänge ich auch gar nicht an meinem MacBook. Wie an vielen materiellen Dingen nicht. Sachen gehen kaputt, aber viel wichtiger ist doch, das man selbst heil bleibt. Wobei ich jetzt kein totaler Materialismusverweigerer bin. An ein paar Gegenständen habe ich richtig Freude, an kleinen, wie auch an großen. An meiner Kamera zum Beispiel, die mich oft durch die Welt begleitet, mich Orte aus anderen Blickwinkeln sehen lässt und später mit den Bildern dafür sorgt, dass die Erinnerungen nie verblassen werden. Genauso aber hänge ich an einem popeligen Heiligenkärtchen aus Pappe, São Francisco, Schutzpatron der Reisenden, das mir meine Tante mal bei einem unserer zahlreichen Abschiede in Brasilien am Flughafen zugesteckt hat und das seitdem in meiner Uniformhandtasche immer mitreist. Aber das MacBook, das fand ich zugegebenermaßen immer doof. Gekauft, um unterwegs immer schreiben zu können, wann ich will, hat es seinen Zweck doch nie erfüllt. Tippen konnte darauf nie gut – wer hätte gedacht, dass Apple einen Laptop mit dauernd klemmenden Tasten rausbringt. Als wollten die Worte einfach nicht getippt werden. Und so habe ich auch nie so viel für den Blog hier geschrieben, wie ich eigentlich wollte. Aber nix passiert ja ohne Grund, ne?

Vielleicht musste ein kaputter Rechner eben her, damit sich an meinem Drang zu schreiben und somit auch hier etwas ändert. (Diesen Post hier schreibe ich übrigens auf dem Handy, was ich sonst nie mache – aber immerhin: Die Tasten klemmen wenigstens nicht, yeah! Und das Schreiben geht mir viel leichter von der Hand!)

2014 habe ich diesen Blog gestartet, nachdem ich innerhalb von zwei Jahren erst meinen jahrzehntelang verschollenen leiblichen Vater, dann meinen Stiefvater, der mich stattdessen großgezogen hat, und schließlich meine Selbständigkeit als – sagen wir mal, Basteltante, weil es für das, was ich gemacht habe, eigentlich keine Berufsbezeichnung gibt – verabschiedet habe, weil mir die Energie fehlte für gleichzeitiges Traurigsein und Fliegen (das gab’s ja auch noch) und Basteln und Laden führen und Onlineshop programmieren und Steuerklimbim fertigmachen und Bestellungen verschicken und überhaupt alles andere, was so anfällt im Leben. Plötzlich war aber alles weg, das Leben nur noch leere Hülle und was macht man da, wenn man mit viel Teilzeit, dafür wenig Geld und einem Zigeuner-Gen wie ich gesegnet ist? Das gleiche wie alle anderen auch: Rucksack, immer wieder ab nach Thailand oder überhaupt Südostasien und auf der Suche nach sich selbst dann doch nur andere finden, die genau die gleiche Idee hatten. Allein reisen, das war was Neues, und da kam mir die glorreiche Idee, wie schon genug Leuten zuvor, darüber zu schreiben. In Form dieses Blogs. Damit Freunde, Familie und wer immer möchte, an meinen Reisen teilhaben können. Laberrhabarber. Das gleiche Blabla wie immer. Bebildert, weil Fotos mache ich ja eh. Nur nicht von mir, das liegt zum einen daran, dass ich Fotos von mir manchmal nicht mag, aber zum größeren anderen Teil, dass ich einfach unheimlich lange brauche, um mich für ein Foto hinzudrapieren. Das ist auf Reisen, wo man fremde Menschen, die ja auch nicht ewig Zeit haben, um ein Foto bitten muss, nicht praktikabel. Und dann noch die Wahl des richtigen Fotografen: Wenn ich schon sehe, wie manche Leute das Handy krumm und schief ansetzen… spätestens da verliert mich die Muße und mein darauffolgender angefressene Gesichtsausdruck zerstört jedes Foto. Und viel über mich schreiben wollte ich auch nicht. Auch nicht tagebuchartige Blogposts mit ellenlangen Erzählungen, wie denn nun der jeweilige Tag verlaufen ist: „Heute bin ich um acht Uhr aufgestanden. Dann war ich frühstücken. Danach war ich am Strand und im Meer baden. Das war voll schön.“ Merkste, ne? Langweilig. Aber wenigstens hat der Text ’ne persönliche Note. Dafür wurde es noch schlimmer: Mein Post aus den Anfangstagen über den Chatuchak Markt in Bangkok (übrigens einer der meistgeklicktesten dieses Blog, zwischendurch aktualisiert) ist noch langweiliger als jeder Tagebucheintrag.

Aber letztendlich haben sich 3 Dinge herauskristallisiert:

1. Ich bin viel besser im Schreiben von informativ-unpersönlichen „10 Sehenswürdigkeiten, die du in … gesehen haben musst“-Posts geworden.

2. Meine Freunde und meine Familie lesen den Blog gar nicht. Die meisten kennen die Adresse noch nicht mal. Also ist die Grundidee „ich schreibe mal für die Daheimgebliebenen“ sowieso längst hinfällig. Und wenn keiner mitliest, den man persönlich gut kennt, schreibt es sich direkt viel leichter. Das öffnet auch Möglichkeiten für andere Themen außerhalb von „10 Sehenswürdigkeiten, die du in … gesehen haben musst“. (Überhaupt scheint die Bereitschaft zu sinken, längere, zusammenhängende Texte zu lesen. Was echt schade ist. Aber: An dieser Stelle ein fettes Danke fürs Durchhalten!)

3. So ein kaputtes Macbook ist das Ende fürs Bankkonto, aber nicht das der Welt.

Die Posts über Porto müssen wohl noch warten. Denn gleich übermorgen geht’s weiter. Nach Tiflis. Privat. Naja, so in der Art. Erste Eindrücke von Tiflis gibt’s dann dieses Wochenende in meinen Instagram Stories. Hoffentlich setze ich mich nicht dieses Mal auf die Kamera oder so.

Bis bald,

Tatiana

P.S.

Noch was in eigener Sache: Kann jemand ein MacBook 12″ mit Displayschaden und bockiger Tastatur gebrauchen? Sonst guter Zustand :)

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