Touristen an der Rialtobrücke Venedig

Venedig im Sommer: Ein Reiseführer für Anfänger.

Man muss schon wirklich sehr nach Venedig wollen, wenn man eine Reise dorthin im August wagt. Überhaupt steht ganz Italien um den 15. August herum, dem für Reisen allerwichtigsten und bedeutsamsten aller italienischen Feiertage, vor dem absoluten Ferienkollaps. An Maria Himmelfahrt, dem „Ferragosto“, ist ganz Italien in den Ferien – und das bleibt auch in Venedig nicht unbemerkt. Kleine Geschäfte lassen die Rolläden herunter, schnell geschriebene Zettelchen kündigen Betriebsferien an („siamo di ferie“) und wünschen einen schönen Sommer.

Dafür ist der Rest Italiens dann in Venedig zu Besuch, oder zumindest ein Teil davon. Die fallen aber eigentlich gar nicht auf, denn neben italienischen Touristen ist noch die halbe Welt aus nah und fern zu Gast. Die Tagestouristen der riesigen Kreuzfahrtschiffe nicht zu vergessen, die jeden Tag – ja, man muss es einfach so sagen – in Venedig einfallen. Alles muss gesehen werden, bevor das Schiff abfährt, schnell noch ein Foto zwischen den Tauben auf dem Markusplatz, eine kurze Gondelfahrt mit einem der schönen Gondoliere und unbedingt noch ein Eis, in der Waffel, mit so hoch aufgetürmten Kugeln, dass das Foto davon besonders instagrammable wird  – obwohl es viel zu viel Eis für so wenig Zeit ist.

Erst recht, wenn die Masse an Besuchern und die Sommerhitze das Sightseeing noch beschwerlicher machen. Venedig in einem Tag ist ohnehin ein Ding der Unmöglichkeit. Den Hochsommer würde ich daher als Reisemonat nicht gerade empfehlen – aber immerhin: Selbst Touristenmassen und Sommerhitze konnten mir Venedig nicht madig machen. Ich wollte einfach so sehr nach Venedig – denn obwohl ich beruflich und privat schon ziemlich in Italien rumgekommen bin, kannte ich die Stadt nur aus Erzählungen.

Sightseeing in Venedig – die Tipps: Wo fängt man an?

In Venedig gibt es viel zu entdecken, Kunst, Geschichte, Architektur; und die faszinierende geographische Lage mit all den Kanälen tut ihr übrigens. Alles in ein paar Tagen zu sehen, ist ein anspruchsvolles Vorhaben, gibt es doch noch die Inseln um Venedig herum wie Burano oder Murano oder den Stadtstrand auf dem Lido zu entdecken. Hier also ein paar Basics, die sich leicht in einen kurzen Aufenthalt einbauen lassen:

Mittendrin: Markusplatz, Markusdom und Dogenpalast in San Marco

Das Zentrum Venedigs und unbedingtes Muss. Bei Tag als auch bei Nacht. Viele Vaporetto-Linien halten hier, die Wahrscheinlichkeit ist also groß, dass man ohnehin vorbeikommt.

Am Markusplatz befinden sich der Markusdom (Achtung, Eintritt umsonst, aber Schlange stehen muss man trotzdem je nach Besucheraufkommen), der Dogenpalast mit seiner wunderschön romantischen Fassade, der Campanile (den man für einige Euro besteigen kann) und diverse alteingessene Cafés wie das Caffé Florian, wo man den wahrscheinlich teuersten Cappuccino seines Lebens genießen kann und abends noch von hauseigenen Orchestern mit rührigen Schnulzen beschallt wird. Hört sich schmalzig an, isses auch. Aber es hat einfach einen unbestreitbaren Charme, auf diesem prunkvollen Platz zu sitzen und den Streichern bei Schlageroldies zuzuhören. Wer sich den Sitzplatz übrigens nicht leisten möchte, stellt sich einfach an den Rand dazu.

Auf der anderen Seite des Dogenpalasts befindet sich übrigens die Seufzerbrücke, einer der bekanntesten Brücken Venedigs. Und das will bei den Hunderten von Brücken schon was heißen.

Den Weg zum Markusplatz zu finden ist innerhalb Venedigs auch ohne Google Maps ganz einfach: An vielen Straßenecken und in vielen Gassen ist der Weg zur Piazza San Marco angeschlagen, „La Piazza“ ist einfach der zentrale Orientierungspunkt im Dickicht der venezianischen Gassen und Kanäle.

Canal Grande: Venedigs größte Straße

Die Lebensader Canal Grande: In Venedig gibt es statt Straßen nur Kanäle, und das Hauptverkehrsmittel sind Boote in allen Variationen. So gesehen ist der Canal Grande die Schnellstraße, die sich durch die komplette Stadt zieht. Wahrscheinlich fährt man hier so oder so irgendwann entlang, aber es lohnt sich, einmal früh ein Vaporetto zu nehmen und den kompletten Canal Grande abzufahren und zu beobachten, wie die Stadt erwacht. Venedig ist entgegen meiner Erwartungen ja eine Frühaufsteher-Stadt, nix mit italienischer Behäbigkeit. Auch in den Nachtstunden ist Venedig eher ruhig, nachdem die Tagesbesucher entschwunden sind, ist nicht mehr viel mit rauschendem Nachtleben. Auch schön auf dem Canal Grande: Sonnenuntergänge gucken.Tipp: Am besten man passt den Zeitpunkt genau ab, und geht zum Sonnenuntergang hinauf auf die Terrasse des Fondaco dei Tedeschi gleich neben der Rialtobrücke. Der Eintritt ist frei, aber man darf nur 15 Minuten auf der Terrasse bleiben – Timing ist also alles. Plätze lassen sich wohl vorher hier online buchen, aber als ich dort war, konnte man einfach so hoch – nachdem man ein bisschen Schlange stehen in Kauf genommen hat. Aber der fantastische Blick über den Canal Grande ist es allemal wert!

Das (Luxus-)Kaufhaus ist von innen übrigens auch wunderschön, das Gebäude war früher, wie der Name schon vermuten lässt, Handelsplatz der deutschen Kaufleute in Venedig und später das Hauptpostamt der Stadt.

Rialtobrücke und Rialto Markt

Die Rialtobrücke ist Brücke und Geschäftstraße zugleich, ähnlich der Ponte Vecchio in Florenz. Rechts und links säumen kleine Geschäfte die Brücke. An den Außenseiten hat man einen tollen Blick über den Canal Grande – wenn einem nicht hunderte Selfie-Sticks die Sicht versperren.

Gleich in der Nähe der Rialtobrücke befindet sich der Rialto Markt, wo man ganz klassisch Obst und Gemüse einkaufen kann. Alles sehr traditionell, sehr schön anzusehen. Und die Fischhalle erst, direkt am Kanal, unter Jahrhunderten alten Arkaden – früh kommen lohnt sich!

Nebenan kann man bei Naranzaria direkt am Wasser und mit der Rialtobrücke genau um die Ecke bei einem Aperol Spritz eine Pause einlegen und den Gondolieri beim Hin- und Hergondeln auf dem Canale Grande zuschauen. Mehr Venedig geht fast nicht.

Dorsoduro: Punta della Dogana, Basilica di Santa Maria della Salute und jede Menge Museen

Genau gegenüber vom Dogenpalast befindet sich die Landzunge Punta della Dogana – und hier sieht man auch besten die Größe der Einfahrt des Canal Grande, durch die früher alle Handelsschiffe einfuhren. Nebenan ist die Basilica di Santa Maria della Salute, in der Werke von Tizian hängen.

Auch wenn man kein Kirchenfan ist, kommt man in Venedig doch nicht drumherum, sich ein paar dieser imposanten Kirchen von innen anzusehen. Viele beherbergen Werke der bekanntesten venezianischen Maler – da kriegt man den Museumsbesuch gleich umsonst mit dazu.

Hier in Dorsoduro gibt es überhaupt jede Menge Museen, und wer kunstinteressiert ist, kann sich hier auf dem kleinen Raum mindestens einen ganzen Tag beschäftigen.

Die wichtigsten Museen in Dorsoduro:

  • Peggy Guggenheim Museum
  • Academia dell’Arte
  • Punta della Dogana

Giudecca – die Insel der Venezianer

Giudecca ist eine der Inseln vor Venedig, eigentlich eher ein Wohngebiet. Mittlerweile haben sich hier auch einige Hostels* angesiedelt. Die Verbindung mit den Vaporetti zu San Marco ist super, es lohnt sich trotz extra Kosten für eine Vaporettokarte, auch auf Giudecca zu übernachten, um ein bisschen dem Touristentrubel zu entfliehen und den venezianischen Alltag zu beobachten. Abends bei einem Glas Rotwein an der Promenade sitzen, das venezianische Wasser zu Füßen und den Blick auf die im Meer versinkende Sonne – definitiv einer der Highlights, die eine Fahrt nach Giudecca lohnen. Im übrigen sind hier die Restaurants und Cafés um einiges günstiger und besser als in San Marco – trotz spektakulärer Aussicht.

Neben Giudecca sind Murano und Burano zwei weitere Inseln, die man gesehen haben sollte – mehr über Giudecca, Murano und Burano erzähle ich euch in den nächsten Posts.

Unterkünfte in Venedig

Mit den Unterkünften in Venedig ist das ja so eine Sache: Es ist teuer, es ist nicht besonders schön, und gerade in der Hochsaison überhaupt schwierig. (Wobei ich ja hoffe, dass ich euch mit diesem Post eher dazu inspiriere, Venedig außerhalb der Hochsaison zu besuchen, denn noch mehr Besucher braucht Venedig  im Sommer wirklich nicht. Ich würde auch nicht noch einmal im August hin.)

Viele Venedig-Besucher schlafen daher lieber in Mestre, auf dem Festland, dann muss man jeden Tag mit dem Zug Richtung Venedig aufbrechen. Kann man machen, aber ich wollte unbedingt authentisches Venedig-Feeling – und letztendlich war es unendlich praktisch, sich nicht jeden Morgen oder Abend noch auf große Reise begeben zu müssen.

Auch mit einer täglichen Vaporetto-Fahrt verbunden, dafür aber mit echt venezianischem Ambiente, empfand ich Giudecca als wesentlich bessere Wahl. Dort gibt es Unterkünfte für ’nen schmalen Geldbeutel, wie zum Beispiel das neue hippe Generator Hostel* oder das im Sommer umfunktionierte Studentenwohnheim Sunny Terrace Hostel*. Aber man findet auch gehobenere Unterkünfte wie das Hilton Stucky*, ein neues Hilton-Hotel in einer alten Fabrik – beste Aussicht und Flair ohne Ende. Noch ist Giudecca ein ziemlicher Geheimtipp, aber das scheint sich gerade zu ändern.

In San Marco ist man mittendrin. Das Hotel Alla Fava* ist zwar nichts Besonderes, die Lage aber durch die Nähe zur Rialtobrücke fantastisch. Und sehr ruhig gelegen, ganz lauschig zwischen einer Kirche und einem kleinen Kanal. Fast unglaublich, dass nur zwei Straßen das Touristenleben tobt.

Das Boutique-Hotel Donà Palace* im typisch venezianisch Pomp liegt ebenfalls fantastisch, obgleich natürlich viel teurer, aber noch besser liegt deren Bar Venixino, die auch mein absoluter Geheimtipp für einen abendlichen Drink ist:

Tipp: Direkt am Kanal, der ein paar Meter weiter unter der Seufzerbrücke hindurch führt, sitzt man hier in einem romantischen Garten, ganz versteckt, und kann bei einem der hervorragenden Cocktails der hoteleigenen Bar den Gondeln zuschauen, wie sie auf dem Kanal vorbeiziehen. Die Bar ist übrigens nicht nur für Hotelgäste geöffnet!

Buchen könnt ihr alle genannten Unterkünfte z.B. über Expedia* oder Booking.com*.

Buchtipps für Venedig

Baedeker Venedig* – So geschichtsträchtige Städte wie Venedig verlangen einfach nach einem ausführlichen Reiseführer, mein Tipp: Besorgt euch was Gescheites. Instagram und solche Blogposts wie meiner hier sind zwar schön und appetitanregend, aber für soviel Kultur und Geschichte muss dann doch ein Baedeker oder ähnliches mit.

Venedig Lieblingsorte* hatte ich ja schon in meinen Buchtipps vorgestellt, und da sind tatsächlich ein paar schöne, feine Tipps enthalten, die vor Ort echt nützlich waren.

Mit Endstation Venedig: Commisario Brunetti zweiter Fall* fing eigentlich alles an, vor ewigen Zeiten habe ich mal einige Brunetti-Krimis von Donna Leon verschlungen, auch, weil Venedig darin so plastisch beschrieben war. Und seitdem wollte ich immer hin.

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