Margeriten Strauß

Über das Älterwerden. Dresden. Und Wilma Wunder.

Ich kann dem Älterwerden nur wenig abgewinnen. Umso weniger, da der nächste runde Geburtstag naht. Geburtstage deprimieren mich seit jeher, aber runde setzen dem ganzen noch eine besondere Krone auf. Ich schaue in den Spiegel, sehe mit jedem Jahr mehr Linien und krisselige Haut, da, wo zuvor nie etwas war und überlege krampfhaft mit welcher Coloration man graue Haare abdecken kann, ohne dass man gleich alle drei Wochen für teuer Geld zum besten Friseur der Stadt rennen muss. Als Frau ist man mit dem Älterwerden doppelt gestraft. Neben der Tatsache, dass man sich mit allen Veränderungen irgendwie versöhnen muss, ist Älterwerden einfach auch verdammt teuer. Wo früher die simpelste Creme reichte, muss es heute das teure Mega-Anti-Falten-Produkt (ob’s wirklich hilft, egal) sein, dazu Augencreme (unbedingt!), immer schön ’ne Gesichtsmaske alle paar Tage, gesund essen (klappt nur solala), kein Alkohol (klappt noch weniger), ein widerwillig genutztes Fitnessstudio-Abo und überhaupt ein total asketisches Leben, damit der übrig gebliebene Rest wenigstens langsamer verfällt. Von Make-Up ganz zu schweigen, aber da hatte ich zum Glück immer eine Schwäche für. Nur, dass jetzt eben mehr drauf muss. Und dann die allgemeine Meinung zum Älterwerden: George Clooney, der sieht natürlich immer toll aus, mit seinen grauweißen Schläfen, eigentlich noch viel besser als mit dunklen. Überhaupt sind Männer im Alter weiser, schöner und toller. Und wir Frauen? Wir brauchen noch einige Birgit Schrowanges mehr, um dort hinzukommen.

Ich kenne viele Menschen, die auf die Frage, ob sie gerne nochmal 20 wären, entrüstet aufschreien. Auf keinen Fall. Ich dagegen wäre sofort dabei. Noch einmal einen Körper wie mit 20, straffe Haut, so straff wie ein Spannbettlaken auf einer zu großen Matratze, noch einmal die Unbeschwertheit von damals; diese jugendliche Arroganz, alles im Leben erreichen zu können; dieses Gefühl der Unbesiegbarkeit, dass man nur fühlt, wenn man 20 ist und der festen Überzeugung, dass der Jugend die ganze Welt gehört, komme, was wolle.

Und wenn ich so darüber nachdenke, mir würden noch tausend andere Gründe dafür einfallen, warum Älterwerden kacke ist. Aber dann sitze ich plötzlich in einem der schönsten Cafés seit längerem (meine liebsten Cafés zu Hause in Berlin mal ausgenommen). Ganz allein. Erfreue mich an der ausgeklügelten Inneneinrichtung. Lasse mein Auge von Detail zu Detail wandern. Genieße einen Cappuccino nach dem anderen. Probiere mich durch die Karte. Und denke nicht einmal im Traum daran, dass jemand sich wundern könnte, warum ich denn hier so ganz allein an einem Samstag Nachmittag an einem Katzentisch essen muss.
Weil’s mir sowieso egal wäre.
Vor 20 Jahren hätte ich mich das nie getraut.
Und plötzlich hört sich 40 werden verdammt cool an.

Wilma Wunder
Altmarkt 21-23
Dresden
Mo-So ab 8.30h
https://dresden.wilma-wunder.de

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