Tiong Bahru in Singapur: Art Déco, Hipster und sozialer Wohnungsbau

Singapur ist ein Schmelztiegel der verschiedensten Kulturen. Ein bisschen so wie Hong Kong, nur kam mir Singapur dabei noch vielfältiger, noch enger auf kleinstem Raum dabei vor. Inder, Chinesen, Malaien, Briten, irgendwas hat jede Kultur hiergelassen und dabei diesen multikulturellen Ort gezaubert, von dem es mir immer noch schwerfällt, ihn einzuordnen. Wahrscheinlich waren die paar Tage, die ich in Singapur verbracht habe, doch zu wenig, habe ich mich nicht nur mit den üblichen Sehenswürdigkeiten wie Chinatown und Marina Bay befasst, sondern auch mit etwas unüblicheren Ecken wie Tiong Bahru. Wenn ihr in Singapur auch auf der Suche nach etwas Besonderem seid, dann kann ich euch einen Spaziergang durch Tiong Bahru nur wärmstens empfehlen! Ich hatte mir schon im Vorfeld ein Hostel in Tiong Bahru* für einen Teil meines Singapur-Trips ausgesucht, und habe es nicht bereut, zwei Tage etwas abseits vom Touristen-Schuss zu verbringen.

Tiong Bahru – ein Wohnviertel in Singapur mit Geschichte

Genau genommen gibt es keine richtigen Sehenswürdigkeiten in Tiong Bahru, dazu ist es einfach zu sehr Wohnviertel. Aber dafür ein ganz besonderes. Tiong Bahru ist das erste soziale Wohnungsbauprojekt in Singapur und wurde schon in den 30er Jahren erbaut. Da in Singapur wegen des Platzmangels oft Gebäude abgerissen werden, um neuen, besseren und höheren zu weichen, ist Tiong Bahru heute das älteste Wohnviertel der Stadt.

Ehemals ein Friedhof, dann ein reines Wohnviertel und jetzt einer der trendigsten Stadtteile Singapurs. Sozialer Wohnungsbau hat in Singapur übrigens eine lange Tradition. Was mich sehr gewundert hat, weil einem bei Singapur meist nur Dinge einfallen wie megaviele Banken, teuer, Wolkenkratzer und Finanzklimbim. Aber ohne sozialen Wohnungsbau könnten sich viele Einheimische wohl keine Wohnung leisten – da ist Singapur in der Vergangenheit sehr weitsichtig gewesen. Das ganze Viertel Tiong Bahru mit seinen Wohnhäusern steht mittlerweile unter Denkmalschutz. Zu Recht, denn die Häuser im Art-Déco-Stil sind wirklich speziell: Runde Formen, irgendwie auch ein bisschen Bauhaus, irgendwie auch ein bisschen Miami – in jedem Fall eine angenehme Wohnatmosphäre in mitten dieser schnellen Metropole Singapur.

Durch Tiong Bahru führt auch der Tiong Bahru Heritage Trail und erzählt mit Schautafeln ein wenig über die Geschichte dieses besonderen Stadtteils. Hier kommt man auch am Tiong Bahru Air Raid Shelter* vorbei, dem letzten noch vorhandenen Bunker in Singapur aus dem Zweiten Weltkrieg. Hinein kommt man allerdings nur im Rahmen von Führungen.

Das neue Hipster Viertel in Singapur

In den letzten Jahren haben Hipster das bis dahin verschlafene Tiong Bahru erobert und dem Viertel neues Leben eingehaucht. Kann man gut finden, oder blöd, ich war in jedem Fall sehr überrascht über den Kontrast zu den anderen Teilen Singapurs, die ich mir angeschaut habe. Abends bei schwülen Temperaturen in einer der gemütlichen Bars oder Restaurants zu sitzen, draußen in den Arkaden, über einem surrt friedlich der Deckenventilator, gutes Essen oder beste Cocktails, dazu tropisches Ambiente mit viel Grünpflanzen und den hellen Häusern rundherum – schon magisch. Tagsüber empfiehlt sich übrigens ein Gang in den Tiong Bahru Market. Vor kurzem renoviert, gehört er zu einem der beliebtesten Hawker Centre in Singapur. Und die sind ja bekanntlich in Singapur nie verkehrt, wenn man auf der Suche nach gutem, preisgünstigem Essen ist. (Hawker Centre sind Food Courts in überdachten Einkaufszentren – und dort findet man unglaublicherweise echte kulinarische Highlights! Es gibt sogar einen Stand in Singapur, der so gut ist, dass er sogar einen Michelin-Stern trägt!)

Tipps für Tiong Bahru: Shopping, Cafés und Restaurants

Tiong Bahru Bakery Eine DER Institutionen in Tiong Bahru. Bäckerei mit Küche, für Kaffee oder den kleinen Hunger zwischendurch.

The Tiong Bahru Club Singapura* Schöne Bar für abends: Draußen auf dem Bürgersteig sitzen und bei lauem Tropenwind mit einem Cocktail das Flair der im Kolonialstil eingerichteten Bar genießen.

Plain Vanilla Bakery Berühmt für seine fantastischen Cupcakes, gelegen in einer kleinen Straßen mit einigen anderen schönen Cafés und Geschäften wie Books Actually.

Books Actually – Ein kieziger Buchladen mit viel Literatur über Singapur und sehr kunst- und designlastig. Hätte mich totkaufen können, wenn ich nicht so viel hätte schleppen wollen. Außerdem eine sehr schöne Kinderbuchecke.

Sam Yat Coffee*, neuerdings Café Pandan (gleiches Team) – Einfaches Ambiente, dafür aber sehr gepflegt und günstig. Und vor allem: Der Char Siew Rice (nach kantonesischer Art im Barbecue-Style mariniertes Schweinefleisch auf Reis) ist göttlich. Eine Spezialität, die man in Singapur unbedingt probiert haben muss!

PS.Cafe Petit Tiong Bahru Ein bisschen Café, ein bisschen Deli, ein bisschen Weinbar. Was es genau sein soll, keine Ahnung. Allerdings ist die Einrichtung wirklich beeindruckend. Alles glänzt in tiefstem Schwarz, edel und doch cool. Gut für den kleinen Hunger, oder für ein Glas Wein.

Übernachten in Tiong Bahru

Für das richtige Tiong Bahru Erlebnis und weil ich die Gegend einfach so interessant fand, habe ich zwei Nächte im COO Boutique Hostel* übernachtet. Ziemlich hip, saubere Zimmer, leider klein und eng – aber hey, das ist Singapur! Kann es aber trotzdem sehr empfehlen, vor allem, wenn die Reisekasse schon ziemlich geplündert ist. Definitiv auch eine gute Alternative zu Unterkünften in den Touristen-Hotspots wie Chinatown, wo man weniger für sein Geld bekommt.

 

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