10 Dinge, die man in Tiflis unternehmen kann: Tipps für die Hauptstadt Georgiens.

Naja, also, es wäre etwas kurzfristig und ziemlich spontan – aber ob ich vielleicht nicht eventuell zufällig Lust auf ein Wochenende in Tiflis hätte. Sandra von Tracks and the City hätte gar nicht fragen brauchen. Spontane Reisen? Sind immer die besten. Also dann – auf nach der Suche nach den besten Tiflis Sehenswürdigkeiten und Tipps.

Wochenende in Tiflis – es lohnt sich!

Nicht, dass Georgien sonst nichts zu bieten hätten – im Gegenteil! Georgien ist sowas wie die neue In-Destination für Naturfreunde, weil mega zum Wandern, irgendwie exotisch, weil noch nicht auf dem Pauschaltouristen-Radar und gesegnet mit Wahnsinns-Berglandschaften. Aber Tiflis als Städtetrip? Hat Tiflis Sehenswürdigkeiten? Hierzulande ist die Hauptstadt Georgiens noch relativ unbekannt. Zu Unrecht. Und das Beste: Tiflis geht das ganze Jahr über. Der Flug dauert zwar 4 Stunden, ist aber mit Glück ziemlich entspannt – und man landet in einer (noch) von Touristenmassen verschonten Destination.

Tiflis‘ Sehenswürdigkeiten: 10 Top Tipps für Tiflis

#1 Die Altstadt von Tiflis erkunden

Bequeme Sneakers und ab in die Altstadt! Der Altstadtkern von Tiflis ist gepflegt und gut erhalten, und beherbergt viele Sehenswürdigkeiten wie z.B. den Uhrturm des Reno Gabriadze Theaters, die Sioni-Kathedrale oder die alte Karawanserei. Hier findet man auch die besten Beispiele für die typische alte Tifliser Architektur: In die romantischen Häuser mit ihren schnörkelig verzierten Laubengängen aus Holz möchte man am liebsten sofort einziehen!

#2 Bernhardiner streicheln auf dem Mtatsinda

Tiflis liegt in einer Talsohle an der Kura, da liegt es nahe, sich mal die Stadt von einem der umliegenden Berge von oben anzusehen. Beliebter Ausflugsort auch für Einheimische ist der Mtatsinda. Rauf (und auch runter) geht’s mit der ziemlich modernen Zahnradbahn. Und oben gibt’s den geilsten Blick überhaupt auf die Stadt, einen Vergnügungspark mit Riesenrad (wem’s noch nicht hoch genug ist) und Streichelzoo und diverse Lokale in der schnieken Bergstation.

Das mit dem Streichelzoo ist übrigens wohl so’n georgisches Ding: Die Georgier sind sehr tierlieb und neben dem Streichelzoo gibt’s am Eingang zwischen Zuckerwattestand und Jahrmarktbuden einen Stand, an dem zwei riesige Bernhardiner liegen, die man gegen Geld knuddeln kann. Normalerweise kommt mir ja bei jeglicher Art von Tierattraktion gegen Bezahlung einiges hoch, aber so wie die beiden entspannt mit allen Vieren nach oben lagen und sich den Pelz kraulen ließen, hätte wohl selbst Peta seinen Segen gegeben. Schönes Gimmick bei Nacht (neben der Aussicht) ist der Fernsehturm, der seine Farbe nahezu minütlich ändert.

#3 Hochzeitscrasher spielen, ohne aufzufallen

Ja, ich weiß, ich hab’s zwar nicht mit Religion und Kirche, aber am Ende lande ich trotzdem immer in mindestens einer. Kirchengeschichte gehört eben dazu, will man sich mit Landeskultur und Geschichte befassen. Das gilt besonders in Georgien, mit einer sehr gläubigen Bevölkerung und einer seeeehr langen Kirchentradition. Georgier haben ihre eigene Version der orthodoxen Kirche, ihren eigenen Patriarchen und eigene Bräuche. Wie in orthodoxen Kirchen üblich, gibt es keine Sitzgelegenheit und Messen können auch mal gerne den halben Tag dauern. Macht aber nix, in Kirchen geht’s oft zu wie im Bahnhof, mal geht man raus eine rauchen, dann trifft man Bekannte und mitten im Hin und Her wird getauft oder auch mal geheiratet. Nix mit geschlossener Gesellschaft. Auch wir als offensichtliche Touristen wurden sofort eingemeindet, aber das Angebot des Priesters, der für uns dem lieben Gott unsere Fürbitten vortragen wollte, haben wir dann doch aufgrund der Sprachbarriere abgelehnt.

Achtung: Mit der Kleiderordnung wird nicht so locker umgegangen. Für Frauen sind Kopfbedeckungen und in einigen Kirchen sogar Röcke Pflicht (meist gibt es dann Leihkopftücher und -wickelröcke zum überziehen). Fotografieren kann verboten sein!

#4 In verlassene und nicht so verlassene Hauseingänge schleichen

Unglaublich, was da für architektonische Highlights hinter manch halb verfallener Fassade schlummern. Manche Häuser sind bewohnt und in Privatbesitz, aber da kann man durchaus mal freundlich klingeln und nett fragen. Georgier scheinen auf den ersten Blick zurückhaltend Fremden gegenüber, haben aber merkwürdigerweise kein Probleme damit, wenn eine Gruppe Touristen mit gezückter Kamera durch den Hinterhof des eigenen Hauses tingelt.

Heißer Tipp als Unterkunft ist das Gebäude in der G.Tabidze Street 18! Dort werden Zimmer an Besucher vermietet, zu finden auf Airbnb! Wer also mal in einem historischen Gebäude nächtigen will, voilà:

Klicke erst hier, um dir 25€ Guthaben für Airbnb zu sichern!

und dann hier für das Airbnb Angebot in einer echt historischen Tifliser Stadtvilla!

(Und danke an die patente chinesische Touristin, die ich beim Verlassen des Airbnbs erstmal interviewt habe und die mir so eifrig das originale Angebot auf Airbnb raussuchte – ey, ich hab seit meiner Zeit auf der Langstrecke die Chinesen einfach total lieb gewonnen!)

#5 Sich mit georgischen Spezialitäten den Bauch Vollschlagen

…gerne auch in Kombination mit:

#6 Die eigene Trinkfestigkeit mit georgischem Wein und Spirituosen testen

Die Georgier sind keine Kostverächter: Es wird getrunken, gegessen, getrunken, gegessen, bis der Arzt kommt. Und das ist kein Wunder: Georgien ist das erste Weinbaugebiet der Welt (seit was-ich-nicht-wann vor oder nach Christus wird hier Wein angebaut) und zu Sowjetzeiten galt Georgien immer als das Mekka der feinen Küche. Die georgische Küche ist so krass gut, das kann man gar nicht in diesen kurzen Absatz fassen: Separater Foodguide folgt. Darauf erstmal einen Chacha (georgischer Schnaps)! (Und für Vegetarier gibt’s gute Nachrichten: Georgische Küche ist gar nicht sooo fleischlastig, Sandra von Tracks and the City hat extra für ihren kommenden Veggie Food Guide recherchiert.)

#7 Das georgische Alphabet bewundern (und nix verstehen)

Dass das Georgische ein eigenes Alphabet besitzt, war mir gar nicht bewusst, ich Banause. Ich dachte maximal an kyrillische Buchstaben oder deren Abwandlung. Aber tatsächlich gibt es ein eigenes Alphabet, das dazu noch wie ich finde, wunderschön aussieht mit seinen vielen Schnörkeln und Rundungen. Irgendwie richtig blumig und eine totale Augenweide.

Fanden auch die Designer von Frequently Asked Questions, die aus den schönen Buchstaben und Wörtern einfach Broschen gemacht haben. Und Beutel mit Sätzen wie „Wo bist du?“ – den habe ich mir dann gegönnt. Mal sehen, wer mich in Berlin dann auf georgisch anspricht. Vielleicht mal eine analoge Variante zu Tinder, wer weiß?

Hier findest du noch weitere Reiseliteratur zu Tiflis!

#8 Strassenhunde und -katzen in Tiflis zählen

Es fällt sofort auf: In Tiflis gibt es jede Menge Straßenhunde und rumstreunende Katzen. Bevor mir aber das Herz bluten konnte, versicherte man mir, dass alle Hunde registriert seien – und tatsächlich: Alle Hunde sind sehr gepflegt und wirken gesund. Und nicht nur das. Die meisten sind so zutraulich, dass man sie kaum los wird, wenn sie einen einmal in ihr Hundeherz geschlossen haben. Nirgends werden sie verjagt oder schlecht behandelt, wie man das vielleicht aus anderen Ländern kennt. Im Gegenteil: Sogar vor dem Amtssitz des Premierministers dürfen Hunde faulenzen und liegen eingerollt ganz entspannt vorm Gebäude, neben den Wachmännern.

#9 Die Schwefelbäder von Tiflis: Faule Eier und schöne Haut

Schwefelgeruch mag auf den ersten Riecher unangenehm sein und an faule Eier erinnern, aber das vergeht spätestens beim Anblick der prächtigen Bäder in Abanotubani wie dem Orbeliani Bad.

Außen tausendundeine Nacht, findet man innen einzelne Bäder in privaten Kabinen – dort kann man es sich allein oder mit Partner/Freunden gemütlich machen. Massagen gibt’s auch und wie immer trotz Pomp alles für ’nen schmalen Taler. Die perfekte Location für eine kleine Auszeit! Gebadet werden kann ohne Klamotten (für Georgier eher befremdlich) oder mit. Ist nämlich egal, ist das Bad einmal gemietet, hat man es ganz für sich!

Am Wochenende ist reservieren übrigens ratsam, denn auch unter Einheimischen sind die Schwefelbäder von Abanotubani sehr beliebt!

#10 Georgier aus der Reserve locken

Unser Reiseführer über Georgien*, den ich kurz vor Abflug noch eingesteckt hatte, überschlug sich vor Begeisterung ob der georgischen Gastfreundlichkeit. Während ich schon dauersingende und -tanzende Georgier vor Augen hatte, die einen ständig nach Hause einladen und zwangsadoptieren, war die Realität ernüchternd. Ich habe die Einheimischen als sehr zurückhaltend wahrgenommen, vom fehlenden Servicegedanken ganz zu schweigen. Freundliche Hallos, Bitte und Danke sind weitestgehend unbekannt, ist aber nicht böse gemeint. Und wenn man sich Mühe gibt, dann flackert auch ordentlich was an positiver Energie auf.

Wie bei diesem Bäcker hier, der nach einer kleinen Phase des Warmwerdens uns sogar hinter die Verkaufstheke gebeten hat, damit wir seine artistischen Bäckerskünste besser filmen konnten, dann stolz seine (zugegeben wirklich ausgezeichneten) Quarktaschen präsentierte und uns letztlich mit Luftküssen und eindeutig zweideutigem Zwinkern verabschiedete.

Die Bäckerei befindet sich übrigens direkt gegenüber dem History Museum – ohne Schild, geht es einfach die Treppe runter in den Keller.

Tipps für Deinen Aufenthalt in Tiflis

Die meisten Tipps und Hintergrundwissen wäre uns wohl ewig verwehrt geblieben, hätten Sandra und ich nicht unser Goldstück Irina bei uns gehabt, die uns fast einen ganzen Tag begeistert durch die Altstadt von Tiflis geführt hat, immer als Fotografin zu haben war und dafür verantwortlich ist, dass hier noch einige Beiträge über Tiflis folgen werden. In Tiflis ist nämlich noch nicht niemand so richtig auf internationale Besucher ausgerichtet, was einerseits echt sehr geil ist, andererseits aber schwierig, wenn man an mehr Hintergrund interessiert ist. Reiseführer gibt’s noch nicht sooo viele über Tiflis, vor Ort sind viele interessante Sehenswürdigkeiten nur in Georgisch beschriftet und Englischkenntnisse sind nicht immer vorhanden. Das sieht zwar schön aus (siehe 6.), ist aber für Nicht-Georgier schwierig. Umso besser, dass wir Irina hatten, die sich zudem noch hammermäßig gefreut hat, mit uns Deutsch zu sprechen. War ihr nämlich lieber als Englisch, denn sie hat lange in Deutschland studiert.

Irina bietet ihre Touren sozusagen sehr privat an, sie hat keine Internetseite oder sonstiges – also ein echter Geheimtipp! Wer an Touren in und um Tiflis mit Irina interessiert ist, kann gerne hier unter dem Post einen Kommentar hinterlassen und ich leite euch weiter!

Stylische Unterkünfte: Boutique Hotels in Tiflis

In Tiflis kann man gut und günstig unterkommen und in den letzten Jahren haben richtig tolle Boutique Hotels in Tiflis eröffnet! Eines davon ist das Museum Hotel*, in der alten Stadtvilla der Familie Orbeliani (die übrigens auch Erfinder der Orbeliani-Pralinen sind, eine selten zu findene Tifliser Köstlichkeit, mehr dazu im kommenden Foodguide!). Die Lage an der trillionenspurigen Hauptstraße ist zwar gewöhnungsbedürftig, aber es gibt auch Zimmer nach hinten raus – und die individuelle und oberstylische Einrichtung des Hotels machen alles wieder wett!

Weitere coole Übernachtungsmöglichkeiten in Tiflis:

Fabrika Tbilisi* – Nicht nur Hipster-Treffpunkt, sondern auch kommunikatives Hostel! Privatzimmer gibt’s auch. Günstig.

Rooms Hotel Tbilisi* – sehr cooles Boutique Hotel in der Nähe der Tifliser Prachtstraße Rustaveli Boulevards.

Radisson Blu Iveria* – Hässliches Hochhaus mit anonymen Hotelkettenflair, aber mit einem Swimmingpool in der obersten Etage mit dem wahrscheinlich allergeilsten Poolausblick über Tiflis!

Extra-Tipp für Weihnachtsfans

Georgien und Weihnachten? In Georgien wird Weihnachten ausgiebig gefeiert, und in Tiflis sind viele Hauptstraßen wie der Rustaveli Boulevard wunderschön weihnachtlich geschmückt und aufwändig beleuchtet. Das Beste: Wer in Deutschland traurig ist, dass die gemütliche Weihnachtszeit vorbei ist, kann sich in Tiflis Nachschlag holen: Die Georgier feiern erst am 7. Januar Weihnachten, und bis dahin ist mit Silvester zusammen die festlichste Zeit des Jahres!

Das Tourism Development Department der Tbilisi City Hall hat Sandra von Tracks and the City und mich auf diese Reise zu Recherchezwecken eingeladen. 

*Affiliatelinks (Was ist das?)

Merke dir diesen Artikel auf Pinterest!

This article is available in deDeutsch enEnglisch

Instagram Feed Instagram Feed Instagram Feed Instagram Feed Instagram Feed Instagram Feed
Mehr zum Thema
Suzhou: Chinas Paradies auf Erden