Auf Sylt wird den ganzen Tag getrunken, nicht nur am Wochenende, sondern auch an jedem anderen Wochentag. Morgens ein Glas Champagner, oder zwei, mittags dann einen Weißwein zum Mittagessen mit dem obligatorischen Fisch – wir sind ja schliesslich am Meer – nachmittags je nach Wetterlage eine tote Tante (ja, heißt wirklich so – das ist Kakao mit Rum)  zum Aufwärmen oder einen erfrischenden Aperol Spritz in der Sylter Sonne. Auf Sylt ist eben immer Wochenende. Während in der Hochsaison Massen an Touristen einfallen, wird auch die Nebensaison immer beliebter: Es reicht zwar nicht zum Baden gehen, aber mit etwas Glück erwischt man ein paar gute Tage und hat mehr Sylt, weniger Touristen. Und die Hartgesottenen unter den Surfern hüllen sich einfach von Zehen- bis Nasenspitzen in Neopren und stürzen sich trotzdem in die eiskalten Nordseewellen. Wäre ja für mich nichts. Ich liebe Wasser, ich liebe das Meer, aber ins Wasser geht’s für mich erst ab Lufttemperaturen von 28 Grad aufwärts. Vielleicht ändert sich das ja – schliesslich war ich nie wirklich ein Nordseefan. Zu kalt, zu windig, zu wenig Palmen. Aber nach ein paar Tagen auf Sylt muss ich meine Meinung wohl revidieren: An der Nordsee kann es so schön sein!

Sylt in einem Wochenende – die Tipps!

Nur ein Wochenende Zeit? Auf Sylt kein Problem. Die Insel ist überschaubar, dazu gut und schnell erreichbar: per Zug, Flugzeug oder mit Auto auf dem Zug. Auf Sylt selbst kommt man mit dem öffentlichen Insel-Bus sehr gut von A nach B. Und mal ehrlich: Längere Aufenthalte auf Sylt sprengen sowieso die Reisekasse. (Aber dazu später mehr.) Ein Wochenende auf Sylt reicht also völlig: Denn sobald man nur den Fuß auf Sylter Boden setzt, überkommt einen auch schon das absolute Urlaubsfeeling. Ich verrate euch mal meine Tipps für Sylt, nicht nur für Wochenenden ;)

Für die Strandsauna war’s mir dann doch zu frisch, ich Weichei. Aber beim nächsten Mal muss ich das unbedingt ausprobieren: Eine Sauna mitten am Strand, wie geil ist das denn!

Westerland – der Start ins Sylt-Wochenende

Es gibt auch eine Fährverbindung zum Sylter Norden in List – aber eigentlich kommt der Großteil der Sylt-Besucher in Westerland an. Per Zug bzw. Autozug oder mit dem Flugzeug. Westerland als Ort an sich mag vielleicht den ein oder anderen enttäuschen – reizende Reetdachhäuser und Dünenfeeling findet man eher wenig.

Stattdessen jede Menge architektonische Bausünden in Form von Apartmenthäusern aus den Sechzigern in schnöder Schuhschachtelform – allen voran das Neue Kurzentrum direkt am Strand von Westerland. Trotzdem ist Westerland ein guter Ausgangspunkt für Ausflüge über die Insel – und gerade für Besucher mit wenig Zeit perfekt. Von hier aus kommt man überall gut hin und auch eine Unterkunft findet sich schnell. Und alles in allem ist Westerland ein entspannter Kurort mit einigen netten Lokalen und einer wirklich überragenden hohen Dichte an gut sortierten, einladenden Buchhandlungen! (Etwas, was ich im Amazon-Prime-verwöhnten Berlin wirklich sehr vermisse – es geht doch nichts über schnuckelige Buchläden mit einer schönen Auswahl.)

Die Uwe-Düne und das Rote Kliff: Der höchste Punkt auf dem flachen Sylt und Drohnenfotografie ohne Drohne

Nördlich von Westerland liegt die Uwe-Düne, der höchste Punkt der Insel – und das ist nicht viel bei einer Insel wie Sylt, die permament droht, in der Nordsee zu verschwinden. Auf die Uwe-Düne führt eine schmale Holztreppe und oben angekommen, kann man auf der Aussichtplattform das komplette Sylt-Panorama geniessen. Auf der einen Seite Kampen mit seinen hübschen Reetdachhäusern, die sich lauschig in die hügelige Dünenlandschaft schmiegen,und auf der anderen Seite die rauschende Nordsee. Pure Natur rundherum. Und für ein Stadtkind wie mich so wohltuend und wunderschön. Kampen ist übrigens der Hotspot der Reichen und Schönen (eigentlich ist es ja schon die komplette Insel, aber hier scheint die Konzentration nochmal um ein Vielfaches höher) – und wer noch schnell irgendwas von Gucci, Prada, Louis Vuitton oder wasweißich braucht, wird hier garantiert in den gut sortierten Dorfboutiquen auf dem Strömwai fündig. Außerdem finden sich in Kampen einige der bekanntesten Lokale Sylts, die mit für den Ruf der Insel als Jetset-Treffpunkt gesorgt haben. Low-Budget-Urlauber wie ich fangen aber lieber erst gar nicht damit an, sich an solche Lokalitäten zu gewöhnen ;)


Stattdessen bietet sich von der Uwe-Düne aus ein Spaziergang über oder um das rote Kliff an, das vor allem bei Sonnenuntergang rot in der Abendsonne leuchtet und eines der Wahrzeichen der Insel ist. Außerdem hat man von oben einen so tollen Blick auf den darunter liegenden Strand, dass ich bei den Bildern eher das Gefühl hatte, ich hätte die Fotos mit einer Drohne gemacht – Drohnenfotografie ohne Drohne sozusagen. Die Aussicht ist wirklich einmalig – auch wenn jede Pore des Körpers mal wieder von der steifen Nordseebrise durchgepustet wird. Aber auf Sylt gilt eben der Spruch: Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung.

Buhne 16 – Alte Hipster, Champagner und Dünen

Mit dem Rad unterwegs ist die Buhne 16 von Kampen nur einen Katzensprung entfernt. Zumindest hin, auf dem Rückweg erwischt einen oft der dann erst auffallende Gegenwind, der mich daran erinnert hat, das nächste Mal im Fahrradverleih doch mal über ein E-Bike nachzudenken. Das Rad muss man aber sowieso am Radweg abstellen, zur Buhne 16 geht’s noch ein gutes Stück zu Fuss durch die Dünen. Mitten in der   Einsamkeit kam dann zum ersten Mal meine Gästekarte zum Einsatz, die jeder Tourist nach Begleichen der Kurtaxe in seiner Unterkunft erhält: Eintritt frei zum Strand, ansonsten kostet der Zutritt ein paar Euro, die ich bei der netten Dame am Kontrollhäuschen hätte begleichen müssen. Die im übrigen den entspanntesten Job überhaupt zu haben schien: So mitten in den Dünen mit dem Lieblingsbuch im Strandkorb sitzend und ab und an ein paar Kärtchen kontrollierend.

Sylt Dünen Kampen Weg

Die Buhne 16 selbst liegt versteckt mitten in einer Düne und ist eigentlich nicht mehr als ein Strandkiosk mit einer wilden Geschichte als rauschender Party-Treffpunkt prominenter Strandgäste. Aber Sylt wäre nicht Sylt, wenn auch diese simple Strandbude nicht ein bisschen feiner wäre. Leider nicht die Speisen, der Kartoffelsalat zum Beispiel kommt auch hier aus dem Plastikeimer. Egal, trotzdem umweht die Buhne 16 immer noch das Flair des unkomplizierten Jetset-Strandlebens aus den Sechzigern: Es gibt viel Champagner, aber am Strand mit (oder ohne – Sylt ist immer noch ein FKK-Paradies) Badeklamotten ist jeder fast gleich. Und das Panorama mit Dünen, weißem Pudersandstrand und frischer Meeresluft tröstet über die rekordverdächtigen Preise (oder sind 9,50€ für ‚ nen Hugo am Strand normal?) hinweg.

List – Sylt pur und die nördlichste Fischbude Deutschlands

Weiter nördlich liegt List, mit dem Rad von Westerland aus aber eher nur für wirkliche Radfans zu empfehlen – denn die Strecke zieht sich. Allerdings ist der öffentliche Nahverkehr gut organisiert: Sollten einen die Kräfte unterwegs verlassen, haben die häufig verkehrende Inselbusse einen Fahrradträger am Heck, so dass man einfach sein Rad aufladen und es sich selbst im Bus gemütlich machen kann (der dazu auch noch Gratis WLAN hat, es ist unglaublich!).

List ist übrigens weniger Glamour, mehr Meer, mehr Dünen, mehr Natur. Das Erlebniszentrum Naturgewalten bietet neben einer ständigen Ausstellung auch naturkundliche Führungen an: Wandern durch das Watt, durch die Dünen oder ein Besuch der einzigen Austernfarm Deutschlands.

Und was unbedingt in List dazugehört: Fischbrötchen essen! Hier hat Gosch, die bekannte Sylter Fischbudenkette seinen Urprung – hier fing alles an. In der Alten Bootshalle gibt’s dazu noch maritimes Flair. Leider sind auch hier die Preise vor allem für Selbstbedienung happig (wer hätte es gedacht), das Essen okay, aber nicht sensationell, und im Großen und Ganzen etwas zu sehr touristisch aufbereitet. Dennoch: Gosch muss auf Sylt sein.

Rantum – Feiner Sandstrand und ein Vogelschutzgebiet

Gar nicht so weit entfernt von Westerland befindet sich Rantum, genau an der schmalsten Stelle der Insel. Während man auf der einen Seite pudrigen, weitläufigen Nordsee-Sandstrand findet, liegt auf der anderen Seite das Vogelschutzgebiet Rantumbecken, wo man viele verschiedene Vogelarten beobachten kann. Wer mit dem Wohnmobil/-wagen bzw. Zelt anreist, kann in Rantum auf dem Campingplatz zwischen den Dünen schlafen. Am Rantumer Strandabschnitt befindet sich übrigens auch die Sansibar, eine weitere berühmte Strandbar Sylts – aber die kennt man ja spätestens seit den legendären Air-Berlin-Sansibar-Currywurst-Bordmenüs.

Auf der einen Seite pures Naturidyll…

…und auf der anderen Seite tosendes Meer und lange, weite Sandstrände.

Sylt für ein Wochenende und überhaupt – pro und contra

Ja, Sylt ist teuer. Und dass man schon im popeligsten Tante-Emma-Edeka eine hervorragende Auswahl der feinsten Champagnersorten findet, lässt vermuten, dass sich auf Sylt einige Vorurteile bestätigen. Aber egal. Denn die Insel an sich mit ihren Dünen-, Heide- und Wattenmeerlandschaft ist wunderschön und ein echtes Naturerlebnis. Und mit den teilweise horrenden Preisen für Verpflegung, Unterkunft und sonstiges kann man für einen Kurzaufenthalt auch irgendwie zurechtkommen – man bekommt ja auch was dafür. Was außerdem praktisch ist: Per Zug lässt sich die Insel gut erreichen, und obwohl man auf dem Autozug auch sein Auto mitnehmen kann, ist das auch nicht unbedingt nötig. Auf der Insel lassen sich alle Orte sehr gut per Rad oder öffentlichem Bus erreichen. Im Hochsommer allerdings soll die Zugverbindung allerdings manchmal zum Nadelöhr werden, und Verspätungen sind nicht selten. Da ist man mit dem Flieger vielleicht besser beraten – viele Fluggesellschaften fliegen Sylt an, und der Flughafen liegt eigentlich fast mitten in Westerland. Der ist übrigens einer der schnuckeligsten kleinen Flughäfen, die ich je gesehen habe (und da kommen nach 18 Jahren Fliegerei auf Kleinstfliegern so einige zusammen!) – mit sagenhaften zwei Check-In-Schaltern und einem Flughafenrestaurant mit den frischesten Krabbenbrötchen, die je ein Flughafenterminal zu Gesicht bekommen hat. Dennoch finde ich die Anreise mit dem Zug über den Hindenburgdamm schöner: Die beste Einstimmung auf Sylt. Rechts und links das Wattenmeer und vor einem die Vorfreude auf Strand, Meer, Dünen und jede Menge Weißwein. Prost!

Lesetipps zu Sylt

Als Reiseführer für Sylt empfehle ich diesen hier, gerade superaktuell und mit schönen Tipps, besonders für kurze Aufenthalte:
Dumont Direkt Sylt*

Mir hat Sylt unheimlich gut getan, nicht nur durch das gerade für Pollenallergiker wie mich ideale Klima, sondern auch, weil von dieser Insel wirklich etwas Besonderes ausgeht. Und dass Sylt wirklich glücklich macht, zeigt auch dieses schöne Buch mit noch viel mehr Sylter Glücksorten:
Glücksorte auf Sylt: Fahr hin und werd‘ glücklich von Claudia Welkisch*

Tolle Infos über Sylt gibt’s auch auf folgenden Sylt-Blogs:
Syltfräulein

Und noch mehr Sylt-Bilder gibt’s auf meinem Instagramaccount: