Alt und neu in Springfield: Zwischen Abraham Lincoln und Illinois Makern

300 Kilometer von Chicago entfernt liegt Springfield, einer der geschichtsträchtigsten Ort der USA überhaupt. Und nein, es ist nicht das Springfield der Simpsons: Das heißt nur so, weil Springfield einer der häufigsten Namen für Kleinstädte in den USA ist. Dieses Springfield hier ist zum einen die Hauptstadt des Bundesstaates Illinois (nicht Chicago, wer hätte das gedacht?) und zum anderen die Wirkungsstätte des wohl bedeutendsten US-Präsidenten: Abraham Lincoln. Durch Springfield führt auch die historische Route 66, da war ein Stopp in Springfield auf unserem Route 66 Roadtrip ein absolutes Muss für die volle Ladung amerikanische Geschichte

Die besten Sehenswürdigkeiten in Springfield, Illinois

Geschichte klingt sowieso schon immer so dröge – und was hat man als Europäer schon mit amerikanischer Geschichte am Hut? Ganz Springfield dreht sich nur um Abraham Lincoln, da gibt es kein Entkommen, und auf den ersten Blick scheint die Stadt, die für Amerikaner so bedeutungsvoll ist, nur mäßig interessant für unsereins. Von wegen! Erstens: Lincoln war echt eine tolle Persönlichkeit, die nicht nur Amerika, sondern auch die Welt verändert hat. Und zweitens: Springfield ist eine charmante Stadt und die Lincoln-Attraktionen sind so wunderbar gestaltet, dass man selbst als Kulturbanause begeistert ist. Und nebenbei lernt man auch noch was. (Übrigens habe ich wie so oft auf dieser Reise gedacht, dass so ein Roadtrip auch eine schöne Reise für Familien ist: Viele Museen und Sehenswürdigkeiten sind kinderfreundlich gestaltet und Kinder sind im familienorientierten Illinois sowieso immer willkommen!)

Abraham Lincoln Presidential Library & Museum

Das ausschließlich dem Leben und Wirken Abraham Lincolns gewidmetem Museum ist eine Mischung aus interaktiver Ausstellung und Multimedia-Vorführungen. Mag anfangs vielleicht sehr amerikanisch nach Walt Disney aussehen, ist aber sehr informativ und toll gemacht. Die Vorführung „Ghosts of the Library“ im Holavision Theatre nicht verpassen – und nachher darüber rätseln, ob der Erzähler ein Hologramm war oder doch in echt auf der Bühne stand. Und unbedingt nach kostümierten Wärtern Ausschau halten: die sind Teil der Ausstellung und tragen spontan im Museum verteilt Stücke vor!

Zur Webseite der Abraham Lincoln Presidential Library & Museum

 

Old State Capitol

Im Old State Capital, das von 1840 bis 1876 als Abgeordnetenhaus von Illinois fungierte, ging Abraham Lincoln Zeit seines Lebens als Politiker und Anwalt ein und aus. Heute kann man dort noch alle Säle inklusive Einrichtung aus der damaligen Zeit besichtigen. 1858 kündigte genau hier Abraham Lincoln seine Präsidentschaftskandidatur an, und 2007 folgte ihm der damalige Senator von Illinois: Barack Obama.

Zur Webseite des Old State Capitol

Lincoln Home National Historic SiteLincoln Home National Historic Site

Hier kann man sich in einer Art Freilichtmuseum das Wohnhaus von Abraham Lincoln ansehen, in dem er bis zu seiner Wahl zum Präsidenten wohnte. Das Wohnhaus wurde aufwendig restauriert und in den Zustand zu Lincolns Lebzeiten versetzt. Aber nicht nur das Wohnhaus von Lincoln wurde erhalten, sondern auch der ganze Straßenzug. Und mithilfe der allgegenwärtigen Schauspieler, die das Leben zur damaligen Zeit zeigen, ist das ganze Gelände wie eine Zeitreise! Mit Glück begegnet man sogar einem täuschend echten Abraham Lincoln, der immer mal wieder die Straße entlang spaziert.

Zur Webseite des Lincoln Home National Historic Site

Lincoln’s Grab

Abraham Lincoln wurde auf dem Oak Ridge Cemetery begraben, welcher dadurch einer der meistbesuchten Friedhöfe der USA ist. Nicht vergessen: Unbedingt die Nase der Lincoln-Büste vor dem Eingang des Mausoleums rubbeln, das soll Glück bringen! Der blank geschrubbten Nase nach ist das wohl richtig beliebt und für kleine Leute wie mich gibt’s sogar noch ’nen Hocker davor, damit man auch gut rankommt!

Zur Webseite des Lincoln’s Tomb

Ein paar Lincoln Facts:

  • von 1861 bis 1865 Präsident der USA
  • der erste US-Präsident, der bei einem Attentat starb
  • Gegner der Sklaverei, was zum Sezessionskrieg zwischen dem liberalen Norden und den Sklaven haltenden Südstaaten führte (hallo Fackeln im Sturm mit Patrick Swayze – na, wer erinnert sich?)
  • gewann den Bürgerkrieg, führte Norden und Süden wieder zusammen und sorgte für das Ende der Sklaverei in allen Staaten
  • lebte mit seiner Familie in Springfield, Illinois, wo er sich als Anwalt und Politiker seine Karriere begann

Springfield hat aber auch außerhalb der Lincoln-Stätten einiges zu bieten, so dass man mindestens einen vollen Tag dafür einplant, besser noch zwei Tage! Was man sonst noch alles gesehen haben sollte:

Illinois State Capitol

1877 eingeweiht, fungiert das Illinois State Capitol noch immer als Abgeordnetenhaus von Illinois. Die schon von weitem sichtbare Kuppel ist über 100 Meter hoch (sogar höher als das Kapitol in Washington, DC!) und wirklich spektakulär, gerade auch durch die niedrige Bebauung der Kleinstadt Springfield. (Obwohl Springfield die Hauptstadt von Illinois ist, hat es nur schnuckelige 115.000 Einwohner!)

Den ganzen Tag über finden Touren statt, bei denen man sogar nach Verfügbarkeit die Abgeordnetenkammer mit den beeindruckendsten Kristalllüstern besichtigen kann! Auch die riesige Kuppel ist von innen noch einmal sehenswerter – ich konnte nach soviel Kleinstadtidylle unterwegs auf der Route 66 gar nicht fassen, plötzlich so viel pompöse Architektur zu sehen. Wirklich beeindruckend!

Zur Webseite des Illinois State Capitol

Dana Thomas House von Frank Lloyd Wright

Frank Lloyd Wright war einer der bekanntesten amerikanischen Architekten des letzten Jahrhunderts: Er entwarf zum Beispiel das Guggenheim Museum in New York. Mit seinen „Prairie Houses“ schuf er den Begriff der „organischen Architektur“, bei der sich Häuser und Gebäude nahtlos in Landschaft, Kunst und Kultur einfügen sollten. Eines dieser Prairie Houses ist das Haus von Susan Lawrence Dana: Viel Holz, unerwartet dunkel, aber für sein Baujahr (1902) ungeheuer visionär. 35 Zimmer, verteilt auf 3 Etagen und 16 Zwischenetagen insgesamt. Wilde Partys sollen hier stattgefunden haben. Ach ja, und ’ne Bowlingbahn gibt auch noch, direkt hinterm Hauseingang.

Zur Webseite des Dana Thomas House

Essen und Trinken in Springfield, Illinois: Die besten Locations!

„Illinois Made“: Lokal und nachhaltig

In Springfield gibt es so einige Locations, die man unbedingt auf seinem Route 66 Trip mitnehmen sollte! Amerikanischer wird’s nämlich nicht. Und wie auch im Rest von Illinois findet man hier zahlreiche „Maker“: Kreative Kleinunternehmer aus Handwerk, Handel und Landwirtschaft – fair produziert, lokal und nachhaltig. Alle sind zusammengeschlossen in einem öffentlichen Programm namens Illinois Made. Es lohnt sich wirklich, nach Illinois Makern Aussschau zu halten! Auf unserem Roadtrip durch Illinois haben wir immer mal wieder einige kennengelernt, Café- und Restaurantbetreiber, Mikrobrauereien oder Handwerker – und es ist beeindruckend, mit welchem Enthusiasmus diese kleinen Unternehmen bei der Sache sind. Und schön, dass das so vom Bundesstaat gefördert wird – so etwas hätte ich mir zu meiner Zeit mit meinem kleinen Kreativunternehmen in Deutschland auch gewünscht.

Custom Cup Coffee

Hier wird der Kaffee vor Ort geröstet – und man kann sogar dabei zuschauen! Bei Interesse werden alle Fragen zum Thema Kaffee beantwortet. Die Betreiber legen Wert auf fair gehandelten Kaffee und kennen einen Großteil der Lieferanten aus aller Welt persönlich. Und es gibt neben fantastischem Kaffee und sympathischem Service die geilsten Apfel-Zimt-Bacon-Taschen überhaupt. (Ja, Bacon!!) Custom Cup Coffee gehört ebenfalls zu den Illinois Makern.

Zur Webseite

Route 66 Motorheads Bar

Die Route 66 Motorheads Bar ist nicht nur die klassische Route 66 Trucker Bar am Straßenrand, sondern gleichzeitig auch Museum mit Oldtimern vor der Tür, Vintageschildern innen und außen und viel Neon. Im Schuppen nebenan kann man nicht nur noch mehr Stücke bewundern, sondern auch beim Restaurieren zuschauen. Übrigens: Ein absolut fantastischer Fotospot!

Cozy Dog Drive In

Wirkliches Must-See auf der Route 66: Im Cozy Dog Drive In wurde der Cozy Dog erfunden, ein im Teigmantel frittiertes Hotdog-Würstchen am Spieß. Hört sich skandalös fettig an, isses auch, aber auch irgendwie lecker. Eine Portion mit Pommes für zwei reicht –  wie auch sonst überall – locker für vier. Die Portionen sind riesig. Und auch wenn man kein Fan von Frittiertem ist: Der Cozy Dog Drive In ist eine Route 66 Institution. Hierhin kommen seit 1949 jung und alt, und nicht nur Touristen! Die Atmosphäre ist herzlich-familiär, jeder kennt jeden, und alle kennen Bob Waldmire: Die Route 66 Legende, über den es im Route 66 Hall Of Fame and Museum in Pontiac eine ganze Ausstellung gibt, ist der Sohn des Gründers, Ed Waldmire. Der Cozy Dog Drive In ist übrigens immer noch in Familienhand und wird mittlerweile von einem von Ed’s Enkeln betrieben.

 

 

Engrained Brewery & Restaurant

Bei Engrained wird gebraut, was das Zeug hält: Wer mag, bestellt sich direkt eine Kollektion aus mehreren Bieren, fünf Stück, auf einem Holzbrett serviert. Kann ich nur empfehlen, denn eins ist leckerer als das andere. Aus den Getreideüberbleibsel aus der Bierproduktion macht Engrained übrigens den Teig für ihre Flatbread Pizzas, da wird nix verschwendet!

Und hier gibt es ebenfalls das für Springfield typische Horseshoe Sandwich: Ein Toastbrot mit einem fetten Burgerpatty, darüber Pommes ohne Ende und das ganze getoppt mit Käsesauce. Die Portion wie immer: Riesig. Wem das zuviel ist, der bestellt einen Ponyshoe. Nicht, dass es einen großen Unterschied machen würde: So oder so, von der Diät muss man sich auf der Route 66 bei Bier, Horseshoes und Cozy Dogs eh langsam verabschieden.

Praktische Tipps für einen Besuch in Springfield, Illinois

Für Springfield sollte man genug Zeit einplanen, es gibt viel zu sehen. Es lohnt sich also, in Springfield einen Zwischenstopp einzulegen und hier zu übernachten. In der Stadt gibt es einige große Hotels mit guten Übernachtungsmöglichkeiten, wie das Wyndham Springfield City Centre*. Von außen ein nicht besonders ansprechendes Hochhaus mit den wildesten Spitznamen, hat es doch einen großen Vorteil: Von hier aus hat man in den oberen Etagen den besten Blick über die Stadt und das State Capitol! (Unbedingt nach Zimmerblick Richtung Zentrum fragen!)

Springfield lässt sich übrigens von Chicago auch mit dem Zug erreichen, falls man kein Auto mieten möchte – aber vor Ort ist man tatsächlich oft besser mit dem Auto unterwegs, da die öffentlichen Verkehrsmittel nicht besonders gut ausgebaut und einige Locations ziemlich weit voneinander entfernt sind.

Transparenzhinweis: Auf die Reise nach Illinois wurde ich vom Tourismusbüro des Bundesstaates Illinois eingeladen. 

*Affiliatelink (Was ist das?)

Springfield Illinois Tipps

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