Blick auf das Salzburg Museum mit pinkfarbenen Blumen im Vordergrund

Salzburg und seine Kirchen: Mystische Tipps für das Rom des Nordens.

Ich habe euch zwar letztens schon mit einem ausführlichen Foodguide über Salzburg versorgt – allerdings war ich eigentlich nicht primär als Restauranttesterin dort. Denn das örtliche Tourismusbüro hatte zu einer mehrtätigen Erkundungstour geladen – zum Thema Kirchenstadt Salzburg. Super, dachte ich, ausgerechnet ich – hadere ich doch manchmal so sehr mit den Themen Kirche und Glauben, dass es mich sogar Reisen früher abbrechen lässt. Wie letztes Jahr in Jerusalem. Weil es mir einfach zu viel Religion war. Aber gut, grundsätzlich sind Kirchen und religiöse Stätten auch immer einer meiner Anlaufpunkte bei Sightseeingtouren durch fremde Orte – erzählen sie doch viel über Kultur und Gesellschaft. Und in Salzburg, da kommt man bei 800 Jahren Kirchengeschichte an Kirchen sowieso nicht vorbei. Zum Schluss wurde es dann sogar noch richtig mystisch…

Die Tatsache aber, dass die ganze Reise von Fräulein Flora organisiert wurde, einem verdammt coolen Salzburg-Blog bzw. Stadtmagazin, das mehr nach Berlin-Mitte als dem beschaulichen Salzburg schreit, hat mich dann vollends neugierig gemacht. Sollte Kirchengeschichte etwa doch noch interessant sein? (Übrigens wird meine Begeisterung hier nicht bezahlt, Blog und Magazin sind einfach so gut – überzeugt euch selbst: zum Online-Magazin Fräulein Flora)

Salzburg: Das Rom des Nordens

Erste Lektion: Wegen seiner wirklich vielen Kirchen wird Salzburg auch „Rom des Nordens“ genannt. Was ich wiederum sehr lustig fand, kam ich doch just von einer Reise durch Venedig und Rom. Und konnte direkt vergleichen: Salzburg hat tatsächlich italienische Züge. Nicht nur aufgrund der Architektur, die der damalige Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau (1559-1617) maßgeblich beeinflusst hat, sondern auch durch die Lebensfreude der Salzburger und dem Hauch Dolce Vita, der durch die Stadt weht. Musik und nochmals Musik, jede Menge Kunst und Kultur, gute Stimmung trotz des häufigen Salzburger „Schnürlregens“ und natürlich, wie es sich für eine fast-italienische Stadt gehört, ein Hang zu leckerem Essen garniert mit einer Prise Frömmigkeit: Italien ist echt nicht mehr weit weg.

Der geheime Schatz des Fürsterzbischofs Wolf Dietrich von Raitenau – und was Salzburger Nockerln damit zu tun haben

Überhaupt war besagter Fürsterzbischof ein ziemlicher Schlingel. Für uns wurde im Rahmen des Programms eine kleine Schnitzeljagd organisiert: Wir sollten den alten Schatz des Fürsterzbischofs finden und sausten dafür einen Tag lang quer durch Salzburg – um letztendlich herauszufinden, dass Wolf Dietrichs heimlicher Schatz seine Geliebte Salomé war, mit der er 15(!) Kinder gezeugt hat. Von wegen Zölibat und so. Damals ging’s in der Kirche wilder zu als bei Dallas und Denver-Clan zusammen! Ich will aber mal nix sagen – Salomé soll nämlich die Salzburger Nockerln erfunden haben, und ohne Salomé und den umtriebigen Wolf Dietrich hätte ich wohl jetzt ein Lieblingsdessert weniger! (Mehr über Salzburger Nockerln im Foodguide.)

Salomé ist außerdem ganz klitzeklein in der Kuppel des ansonsten pompösen Mausoleums von Wolf Dietrich von Raitenau verewigt, davon durften wir uns dann selbst überzeugen. Leider darf man das Mausoleum regulär von innen nicht besichtigen, aber der Friedhof St. Sebastian, auf dem es sich befindet, ist ebenfalls sehenswert.

Die Katakomben von St. Peter: Tod durch Kitzeln?

Der ultimative Friedhofsgänger bin ich nicht – ein wenig gruselt es mich, andererseits machen mich Friedhöfe immer traurig – aber ein bisschen Friedhofskultur gehört im Kirchen-Salzburg dann doch dazu. Vor allem, wenn dabei so kuriose Geschichten auftauchen, wie die des Salzburgers, der jede seiner sieben Frauen zu Tode gekitzelt haben soll. Die Grabmale der Frauen befinden sich auf dem Friedhof St.Peter, gleich hinter dem Salzburger Dom und am Fuße der Festung Hohensalzburg. Mal abgesehen davon, dass sich hier außerdem noch die Gräber von Mozarts ebenso musikalischer Schwester Nannerl, von Johann Michael Haydn, dem Wegbereiter geistlicher Musik, und sämtlicher Salzburger Prominenz befinden, lohnt sich ein Besuch schon allein der Katakomben wegen. Die sind streng genommen keine richtigen Katakomben, da die in den Fels geklöppelten Höhlen nie als Gräber dienten, aber es klingt einfach gut, whatever. Und ein bisschen nach Katakomben sehen die Höhlen über dem St.Peter-Friedhof dann doch aus. Übrigens hat man von hier aus die schönsten Ausblicke auf Salzburg!

Der Dom zu Salzburg mit Dom-Museum – und ein Geheimnis, an dem Millionen einfach vorbeilaufen

Fast nebenan liegt der Dom zu Salzburg, einer DER Touristenattraktionen Salzburgs. Nicht ohne Grund, denn der riesige Dom beeindruckt sogar Nicht-Kirchengänger wie mich, wie ich schon bei meinem ersten Besuch in Salzburg im Frühjahr feststellen konnte. Will man die Touristenströme umgehen, geht man einfach nebenan ins Dom-Museum. Das kostet zwar Eintritt, aber wenn man sich vorher eine Salzburg-Card gegönnt hat, schlüpft man einfach an der Kassenschlange vorbei und kommt einfach so rein. (Die Salzburg-Card, die für 24, 48 oder 72 Stunden erhältlich ist, kostet zwar auch – lohnt sich aber, wenn man vorher weiß, dass man einige Sehenswürdigkeiten wie die Festung Hohensalzburg, die Museen oder den Mönchsberg auf jeden Fall besuchen will. Erhältlich ist die Karte online hier, oder in Hotels, Touristeninfos, Kartenverkaufsstellen etc. in der ganzen Stadt. Tipp: Besser vor Ort kaufen, beim Online-Kauf muss man die eigentliche Karte eh vor Ort an einer von zwei bestimmten Stellen abholen.)

Ins Dom-Museum rauf geht es über auffällig flache, breite und langgezogene Treppen – und das etwa nicht, um den damaligen Damen in ihren Wallekleider einen möglich eleganten Aufstieg zu ermöglichen: Die Stallungen der Pferde befanden sich nämlich im oberen Stockwerk und die mussten dann doch tatsächlich tagein, tagaus die Treppen rauf und wieder runter. Was die armen Pferdchen damals aushalten mussten…

Den Pferden waren die pompösen Räumlichkeiten dann wohl auch herzlich egal, aber der Prunk ist für unsereins doch ziemlich beeindruckend. Durch das Dom-Museum geht es dann über eine Terrasse mit fantastischem Ausblick (Hallo Mega-Fotospot!) und ein paar versteckten Treppen rüber in den Dom – wo man plötzlich dann auf der Empore gleich hinter der antiken Dom-Orgel steht! Scheinen auch nicht viele Leute zu wissen, so ist man dort oben recht ungestört und kann von dort den großartigen Ausblick in das Dom-Innere genießen, während sich unten die Massen durch die Gänge pressen.

Die laufen an einem der kleinen, feinen Geheimnisse des Doms auch einfach vorbei: Direkt am Hauptportal sind feine Kritzeleien zu sehen, wohl von gelangweiltem Wachpersonal vor hunderten Jahren ins Gestein geritzt – sozusagen mittelalterliche Street Art!

Geheimtipp: Die Scala Santa in der Kajetanerkirche

Ein Geheimtipp für das Kirchen-Salzburg ist die Kajetanerkirche mit ihrer Scala Santa, einem jahrhundertealtem Nachbau des berühmten Vorbilds in Rom, das angeblich aus dem Palast von Pontius Pilatus stammt und das Jesus damals vor seinem Prozess betreten haben soll. Wie auch immer, die Salzburger Scala Santa darf so wie das große Vorbild nur auf Knien betreten werden, und darauf wird vor Ort auch geachtet! (Dafür gibt’s dann für gläubige Katholiken ’nen Sündenerlass.) Die Scala Santa befindet sich in einem Nebenraum der auch sonst sehr hübschen Kajetanerkirche und darf nur innerhalb einer Stunde pro Woche besichtigt (oder auf Knien hochgerutscht) werden: Jeden Samstag von 10 bis 11 Uhr – und keine Minute früher oder später. Wohl auch deshalb ist die Scala Santa einer der Geheimtipps in Salzburg.

Wallfahrtskirche Maria Plain: Bergidylle pur.

Gläubige Katholiken wallfahrten nach Maria Plain – und die anderen? Die geniessen wie ich die Mega-Aussicht auf Salzburg, die Berge, das viele Grün und traditionelles Brauchtum.

Die Wallfahrtskirche Maria Plain wurde im 17. Jahrhundert erbaut, weil das Gnadenbild Maria Plain einen schweren Hausbrand als einziger Gegenstand unversehrt blieb – und das war für die damaligen Gläubigen ein so großes Wunder, dass es eine Kirche verdiente. Heute ist Maria Plain Wallfahrtsort und liegt sogar auf dem österreichischen Jakobsweg.

Tipp: Kommt man zum sonntäglichen Gottesdienst, bekommt man noch jede Menge Lokalkolorit mit – alle Besucher hüllen sich in die feinste Tracht, und zusammen mit der traumhaften Bergkulisse draußen und der prachtvoll restaurierten Kapelle innen kann man tief in alpenländische Kultur eintauchen!

Anreise: Am besten man leiht sich in Salzburg in der Stadt ein E-Bike (dann isses bergauf nicht ganz so schlimm) und bindet einen Besuch in Maria Plain in eine Radtour entlang der Salzach ein. Pause machen kann man bei Mega-Panoramablick entweder zünftig im Plainer Ansitz bei Brotzeit und Stiegl-Bier oder gehobener nebenan im Gasthof Maria Plain.

Mehr Info über Maria Plain

Übernachten in Salzburg – Mystische Orte.

Wenn ich nach Unterkünften suche, bleibe ich auch immer gerne beim Thema des Ortes, an dem ich mich gerade befinde. Denn nichts hilft besser, in die Stimmung vor Ort einzutauchen, als auch entsprechend zu übernachten. Was liegt da näher, als in einer Stadt wie Salzburg mit einer solch großen Kirchengeschichte auch an einem religiösen Ort zu übernachten?

Insgesamt gibt es in Salzburg 6 sogenannte religiöse Unterkünfte: das Johannes-Schlößl der Pallotiner, das Hotel St.Virgil Salzburg, das Gästehaus Wolf Dietrich und Thomas Michels, das Haus St. Benedikt, das Institut St. Sebastian und das Gästehaus im Priesterseminar. (alle*)

Alle Unterkünfte sind in der Hand von kirchlichen Trägern und bezahlbar. Das Gästehaus im Priesterseminar* zum Beispiel berechnet den Zimmerpreis nach der Personenanzahl, so bezahlt man als Alleinreisende für ein Doppelzimmer weniger als zu zweit, was ich besonders sympathisch und fair finde. Die Location ist total zentral und beeindruckend, Zimmer super gepflegt und sauber, und von Waschmaschine bis Gemeinschaftsküche ist die Ausstattung perfekt. Wer also kein Problem damit hat, unter einem riesigen Holzkreuz ohne Fernseher (denn den gibt’s nur im Gemeinschaftsraum) einzuschlafen, kann ich diese Unterkunft nur empfehlen! Aber ich war ja spätestens nach der selbst eingemachten Priesterhaus-Marmelade als Begrüßungs-Betthupferl auf meinem Kopfkissen schon überzeugt (ist das nicht goldig?).

Salzburg als Kirchenstadt ist spannender, als man denkt! Richtig mystisch und skurril wurde es übrigens noch im Stift Nonnberg, aber davon erzähle ich euch in einem anderem Post…

Mit mir in Salzburg auf Schnitzeljagd waren Carolin, Nele, David, Victoria, Sonja, Benedikt und Lisa – und auf ihren (auch sonst sehr lesenswerten!) Blogs findet ihr auch noch viel mehr über Salzburg. Danke für das tolle Wochenende!

*Affiliatelinks (Was ist das?)

** Auf diese Recherchereise nach Salzburg wurde ich vom Tourismusbüro Salzburg in Kooperation mit Fräulein Flora eingeladen. 

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