„Rund um Berlin gibt es so schöne Ecken“ heißt es immer. Meistens zieht es mich aber weiter weg. Berlins (und Brandenburgs) schönste Ecken müssen immer warten. Aber diesen Monat war ich reisemüde. Oder besser: Berlin war zu schön bei klarem Himmel und sommerlichen Temperaturen. Und mit einer Radtour um den Müggelsee herum, fühlt sich sogar eine Stadt wie Berlin wie ein Naturparadies an.

Staycation in Berlin: Urlaub vom Urlaub

Ich verreise gern: Je weiter weg, desto besser. Schliesslich schreibe ich auch diesen Blog, der sich vor allem ums Reisen dreht. Meine Reiselust lag mir schon in der Wiege: Meine Mutter wanderte in den späten Siebzigern von Brasilien nach Deutschland aus, weil sie die Welt kennenlernen wollte. Was sich heute nur mäßig spannend anhört, war damals ein Riesen-Akt, zu dem sich nur die ganz Wagemutigen entschlossen. Auswandern – und das einmal um die halbe Welt. Für viele Menschen unvorstellbar. Reisetechnisch bin ich also genetisch vorbelastet, und ich kokettiere immer mit der Behauptung, ein Zigeuner-Gen zu besitzen. Schliesslich sind meine Eltern später nochmal zusammen ausgewandert, und in jungen Jahren habe ich einen Beruf gewählt, der nicht mehr mit Reisen zu tun haben könnte. Dann lebe ich auch noch in Berlin. Einer Stadt, die sich in einer Minute anfühlen kann, wie ein wohlig-warmes Nest und zwei Straßen weiter wie ein exotisches Land. Die ganze Welt in einer einzigen Stadt.

Aber nach fast 18 Jahren Dauer-Reisen gibt es manchmal Phasen, in denen man nur daheim seinen Akku wieder voll laden kann – ohne Leben aus dem Koffer, ohne ständige Ortswechsel. Und so wurden aus meinen Vacations dieses Mal Staycations: Auf der Suche nach den schönen Ecken Berlins.

Mit dem Rad raus aus Berlin: Ab an die Dahme

Ich fahre eh sehr gerne wieder Rad, und neuerdings habe ich Radtouren für mich entdeckt. In Berlin selbst ist Radfahren eher Fortbewegung als Spaß; am Auspuff von Autos zu kleben und in spontan öffnende Beifahrertüren zu krachen mindert einfach die Lust am Radfahren. Zum Glück kommt man mit der S-Bahn schnell raus ins Grüne und sein Rad in der Bahn mitzunehmen, ist oft kein Problem.

Radtour durch Köpenick und Müggelheim – Radtour zum Müggelsee

Im Osten bzw. Südosten von Berlin sind der Große und Kleine Müggelsee sowie die Dahme die nächsten Ausflugsziele, wenn man Lust auf See und Wald hat. Ja, richtig, dort gibt es große zusammenhängende Waldflächen und zahlreiche Badestellen. Wie geschaffen für einen Ausflug ins Grüne. Und man kann gar nicht glauben, dass man wirklich noch in Berlin ist.

Tourenvorschlag für eine Fahrradtour um den Müggelsee

Mit der S-Bahn geht’s bis zum Bahnhof Grünau. (Linie S8/9/45/46/47/85)

Dann geradeaus die Wassersportallee hinunter Richtung Dahme.

(Wer nur baden will und keine Lust auf Radfahren hat, folgt übrigens einfach nur den Schildern Richtung Bammelecke und findet dort eine der besten Badestellen in Berlin, die auch im Hochsommer nicht überlaufen ist!)

Besonderheit an dieser Tour: Am Ende der Wassersportallee nimmt man eine der kleine Fähren, die von der BVG betrieben werden – hier gilt noch das S-Bahn-Ticket! Ich liebe diese kleinen BVG-Fähren, die sich noch an einigen anderen Stellen in Berlin befinden – ein total genialer Service.

Auf der anderen Seite angekommen folgt man einfach dem Ufer rechts entlang und durchquert schönen Wald und kommt an lauschigen Badestellen vorbei. Nicht erschrecken, einige Badestellen sind inoffizielle FKK-Strände.

Man kann einfach dem Ufer folgen, irgendwann kommt man zu einer Landzunge, an der eine weitere Fähre hält. Entweder man nimmt hier die Fähre oder fährt weiter dem Radweg folgen Richtung Müggelheim.

Hier kann man im gemütlichen Dorf im Gasthof oder Eiscafé eine kleine Pause einlegen.

Weiter geht es quer durch Müggelheim die Odernheimer Straße entlang bis zum Kleinen Müggelsee.

Folgt man hier links entlang dem Ufer, kommt man zum Strandbad Kleiner Müggelsee, einem großen Sandstrand, der von Wald umrundet ist. Hier kann man sehr gut baden oder sich sonnen.

Wer lieber weiterfahren möchte, hält sich weiter ans Ufer und kommt automatisch ans südliche Ufer des Großen Müggelsees.

Von hier einmal halb um den Großen Müggelsee herum bis man zum Spreetunnel kommt, der unter der Müggelspree hindurch führt. (Achtung: es geht lange Treppen rauf und runter – es gibt zwar eine Rampe für Räder, ist aber trotzdem sportlich.)

Nun ist man in Friedrichshagen. Die sanierten Jugendstilhäuser und die Strandpromenade machen das Urlaubsflair komplett.

In der Hafenbar kann man den Tag mit Seeblick wunderbar ausklingen lassen, bevor es ab dem S-Bahnhof Friedrichshagen (mit dem Rad 5 Minuten entfernt und ausgeschildert) wieder zurück in die Stadt geht.

Diese Tour ist in ein paar Stunden zu schaffen (mit jeder Menge Pausen und Umgebung genießen) – aber man kann auch einen ganzen Tag in der Region verbringen und sich seine ganz eigene Tour erfinden. Die Radwege entlang der Dahme und dem Müggelsee sind gut ausgeschildert und mit einem Tagesticket kann man unterwegs umsonst alle BVG-Fähren (auch mit Rad) nutzen.

Hilfreiche Links: 

BVG Fahrplanauskunft
Fahrradführer für Berlin und Umgebung* – praktische Karten für unterwegs
Noch mehr Vorschläge für Radtouren in und um Berlin vom Stadtmagazin Zitty -> hier

*Affiliatelinks (Was ist das?)

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