Von Hanoi aus wollte ich weiter nach Hue, um mir dort die Kaiserstadt anzuschauen. Am besten sollte da der Nachtzug sein, der einmal vom Norden Vietnams bis runter in den Süden fährt. Als ich mich aber so in den lauten und mit Rollern überfüllten Straßen von Hanoi verlor, fiel mir bei einem Blick in eine vermeintlich ruhige Seitenstraße dieses kuriose Bahngleis auf:

Hanoi Railway

Bestimmt von einer kleinen Bimmelbahn, einer alten Mini-Straßenbahn oder ähnlichem, dachte ich. Komisch – mitten durch die dicht bewohnte Stadt schlug dieses Gleis seine Schneise, ohne Rücksicht auf Anwohner. Welche Bahn hier wohl noch lang fuhr? Oder vielleicht war die Strecke schon vor Jahren stillgelegt worden. Das musste es sein.

Zugfahren in Vietnam – ein Erlebnis für sich!

Abends stieg ich dann am Bahnhof in Hanoi in den grossen Nachtzug nach Hue (SE3). Der Zug rollte los, nahm an Fahrt auf, ich schaute aus dem Fenster – und direkt in diverse Wohnzimmer hinein. Ich dachte an das Bahngleis vom Vortag und konnte es nicht fassen. Von wegen stillgelegtes Bahngleis!

Night train from Hanoi to Hue SE3





Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals in meinem Leben mit einem Nachtzug gefahren bin – warum eigentlich? Denn die Fahrt durch halb Vietnam war wirklich klasse. Ein Abteil besteht aus vier Betten, zwei oben, zwei unten, im Etagenbett-Style. Gut, die Betten oben waren nur mittels einer Akrobatikeinlage zu erreichen – zum Glück hatte mir meine Reiseberatung aus meinem Hostel in Hanoi ein Bett unten organisiert. Scheinbar traute sie mir die nötige Gelenkigkeit für ein Bett oben wohl nicht ganz zu. Recht hatte sie.

Kissen und Decken waren für jeden Gast ausgelegt, wobei ich mich eh in mein eigenes Schlafequipment aus Kissen und Schlafsack gehüllt habe. (Und das ich wärmstens empfehle – auf Reisen hat die Kombination mir als extrem pingeligem Hostel-/Hotelgast mir unendlich gute und saubere Dienste geleistet 😉  Ab und zu gab’s noch Bordverpflegung mit Instantsüppchen und -Kaffee vom Servicewägelchen des Zugbegleiters, der charmant den schmalen Gang an den Abteilen auf und ab fuhr  – verhungern oder verdursten musste niemand.

Night Train Hanoi to Hue SE3

Der Zug rollte sich also durch das nächtliche Vietnam und ich schlief und schlief. Zugfahren gefiel mir und ich machte mir eine innere Notiz, doch mal mehr auf die Bahn umzusteigen. Ganz entgegen meiner Erwartungen war das leichte, rhythmische Schaukeln des Zuges gar nicht so störend, sondern eher beruhigend. (Und ich bin mittlerweile nach Jahren voller Hotelübernachtungen wirklich ein ganz pingeliger Schläfer.)

In Hue verließ ich schließlich den Zug – und Vietnam hatte mich wieder. Denn trotz meines festen Vorsatzes, am Bahnhof nicht auf windige Taxifahrer hereinzufallen, die auf naives Frischfleisch aus dem Nachtzug lauerten, passierte eben genau das. Und zack, saß ich mitsamt Gepäck für teuer Geld in einem unlizensierten, abgerissenen “Taxi“.

Also dann – auf ins nächste Abenteuer.

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