Lissabon – der perfekte Stopover zwischen Europa und Brasilien

Beruflich gehört Lissabon leider nicht in mein Reiserepertoire, daher bin ich selten dort. Aber wenn, dann flasht mich diese Stadt jedes Mal. Und immer fühle ich mich wie in einer zweiten Heimat. Portugal mag ich überhaupt gern, das liegt vielleicht auch an meiner frühkindlichen Prägung. Damit ich wenigstens ein bisschen Portugiesisch mitkriege, schickte mich meine brasilianische Mutter zu Grundschulzeiten immer zum „Muttersprachlichen Ergänzungsunterricht“. Hört sich wichtig an, war aber nur heiße Luft. Ich war das einzige Mädchen unter 8 portugiesischen Jungs, denn eigentlich richtete sich das Angebot an Gastarbeiterfamilien aus Portugal. Brasilianer? Gab’s damals nicht in unserer Großstadt. Und so fuhr ich nachmittags einmal die Woche mit Bus und Bahn quer durch die Stadt, damit ich eine Stunde den Jungs beim Scheißebauen zugucken konnte, ansonsten nur Bahnhof verstand und versuchte, dies mit konsequenter Sprechverweigerung und Zuhilfenahme eines herzzerreißenden Kulleraugen-Hundeblicks zu vertuschen. Denn unsere großmütterliche Lehrerin sprach nunmal Portugiesisch aus Portugal, das ich mit meinen spärlichen Sprachkenntnissen noch weniger verstand. Am Ende jedes Schulhalbjahres gab’s aber dafür eine schicke Zwei (für die Kulleraugen, nicht fürs Portugiesisch, aber das kam ja nicht ins Zeugnis) und eine dicke Umarmung unserer Lehrerin fürs Durchhalten.

Lissabons 28: Nostalgie in der Alfama

Jahrzehnte später stehe ich in einer überfüllten Straßenbahn und frage mich, warum ich das denn nun wirklich auf mich nehmen musste. In kleinen Räumen dichtgedrängt mit fremden Menschen ist so gar nicht meins. Berufskrankheit halt. Es rumpelt und pumpelt, knarzt und kracht. Mit unerwartetem Karacho prescht die Miniatur-Straßenbahn durch die Straßen der Alfama, Berg rauf, Berg runter, und bei jeder rasanten Anfahrt falle ich mit der Nase in eine andere fremde Männerachsel, die an einem der von der Decke baumelnden Handgriffen hängt: Ein Meter sechzig in Turnschuhen sind nicht wirklich vorteilhaft in übervollen Verkehrsmitteln. Aber eine Fahrt mit der Linie 28, das muss schon sein, wenn man eh gerade in Lissabon ist. Denken sich auch die hundert anderen Touristen, mit denen ich mich in die Bahn gepresst habe – auf der Jagd nach dem richtigen, authentischen Lissabon-Feeling.

Vamos passear! Vamos para a Feira da Ladra!

Von den Einheimischen fährt garantiert keiner mehr auf dieser Linie. Die 28, das ist nämlich sowas wie der 100er-Bus hier in Berlin – für kleines Geld gibt’s eine Fahrt an die besten Sehenswürdigkeiten und ’ne Ladung Lokalkolorit umsonst dazu. Während in Berlin aber der Anschiss für was auch immer vom Busfahrer auch noch gratis ist, sprüht unser Fahrer vor portugiesischer Lebensfreude: „Kommt alle rein, steigt zu, lasst uns spazierenfahren, heute ist doch so ein toller Tag! Geht mal zum Flohmarkt! Und macht mal richtig viele Fotos von der Bahn, kommt mal näher ran!“ ruft er den Touristen zu, die an jeder Ecke stehen, um das typische Lissabon-Bild zu fotografieren, und posiert stolz hinter seinem Straßenbahnsteuerraddings für jedes Foto. Straßenbahn in enger Straße, Straßenbahn vor der Kathedrale da Sé, Straßenbahn um die Ecke kommend, Straßenbahn am Miradouro. Kein Lissabon ohne Straßenbahnfoto. Diese unverwüstlich-nostalgischen Bahnen sind aber auch einfach einmalig.

Wer dienstags oder samstags in der Alfama ist, sollte auch unbedingt auf der Feira da Ladra vorbeischauen, einem Flohmarkt mit einigem an Lissabon-Kitsch-Souvenirs – aber auch richtig schönem Trödelkram.

Lx Factory in Lissabon: Nostalgie für Hipster

In der Lx Factory, einem alten Fabrikgelände, gibt’s dafür das Pendant zur historischen Alfama – hier ist das Hipster-Lissabon. Und irgendwie ein bisschen so, wie an allen anderen Hipster-Orten dieser Welt auch. Hipster-Café. Hipster-Restaurants. Hipster-Läden. Bärte. Street Art. Sehenswert: Die Buchhandlung Ler Devagar. Ein bisschen außerhalb der Innenstadt, aber gut mit Bus und Bahn zu erreichen (eine Tageskarte für nur 6€ oder so bietet sich in Lissabon eh an, allein wegen der spektakulären Tramfahrten durch die Altstadt). Ich muss allerdings sagen: Wirklich begeistert hat mich die Lx Factory nicht – vielleicht lag’s auch einfach daran, dass ich mittags da war, abends ist es möglicherweise noch interessanter. Oder ich bin einfach der sich dauernd wiederholenden Hipsterläden dieser Welt müde. Oder: es fühlt sich einfach relativ wenig nach Lissabon an – oder zumindest danach, was ich mit Lissabon verbinde: dieser grandiose Charme einer einstmals pompösen Stadt, von Sonne und Wasser umgeben und immer noch voller Geschichte. Alte Fabrik hin oder her – Lissabon kann eben noch viel mehr.

Stopover in Lissabon – auf dem Weg nach Südamerika

Wen rabiater Charme an Bord, antikes Kabineninterieur und ein etwas anderer Servicegedanke nicht abschrecken, für den bietet TAP, die portugiesischer Haus-Airline, praktische und günstige Flugverbindungen von Deutschland nach Südamerika, besonders nach Brasilien (so bin ich auch wie schon so oft nach Lissabon gekommen) – immer mit Umstieg in Lissabon. Manchmal allerdings sind die Umsteigezeiten recht lang – aber TAP hat aus der Not eine Tugend gemacht und bietet spezielle Portugal-Stopover-Verbindungen an, mit Aufenthalten in Lissabon oder Porto von bis zu fünf Nächten, bei gleichem Flugpreis.

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