Jerusalem: Auf archäologischen Pfaden in der City of David

Letzten Monat hatte ich eine etwas ungewöhnliche Einladung im Mail-Postfach. Ob ich nicht Lust hätte, am International Travel Bloggers’ Summit in Jerusalem teilzunehmen, der dieses Jahr zum ersten Mal stattfinden würde. 40 Blogger und Instagrammer aus 6 Nationen, dazu jede Menge Expertengespräche, Workshops, Vorträge und viele neue Tipps für Jerusalem.

Der Haken: Mit Jerusalem war ich bereits bekannt, und aufmerksame Leser dieses Blogs werden sich erinnern, dass ich nach meinem ersten Besuch in Jerusalem sehr aufgewühlt die Stadt verließ. Manch einen hätte das vielleicht von einer erneuten Reise abgehalten – aber ich habe ohnehin wahrscheinlich eine etwas exotischere Auffassung vom Reisen.

Im Grunde genommen lässt sich diese zu zwei Prinzipien zusammenfassen, meinen zwei goldenen Reiseregeln. Erstens: Schwierige Reisen hinterlassen die bleibendsten Eindrücke. Und genau diese sind für mich die Essenz des Reisens. Zweitens: So verwirrend der erste Eindruck eines Ortes auch sein mag – diese Orte muss man zwei Mal erleben, um sich auch nur ein annähernd vollständiges Bild machen zu können.

Die Altstadt von Jerusalem: Pittoresk und spannend

Klagemauer Felsendom

Da reiste ich also nach Jerusalem, mal wieder mit tonnenschwerer Kamera-Ausrüstung im Gepäck, denn pittoresk und fotogen ist sie ja, die Jerusalemer Altstadt, das wusste ich bereits – und dieses Mal war ich noch gewillter, meine Eindrücke in Bilder zu packen. Neben unserem Konferenzprogramm sausten wir durch die mit Touristenklimbim behangenen Altstadtgassen, hielten an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten, Grabeskirche, Klagemauer, im Hintergrund noch den Felsendom mit der markanten goldenen Kuppel, hier noch schnell den Tower of David, da noch schnell den Cardo, die Einkaufsstraße aus römischen Zeiten, und ach ja, da waren sie zuhauf, die orthodoxen Juden mit ihren schwarzen Hüten, die sich ja auch immer schön auf Fotos machen, wenn sie durch die verwinkelten Gassen huschen.

Grabeskirche Jerusalem

Alle Reiseberichte zu Israel findest du auch in meinem Israel Blog!

Souvenirs Jerusalem
Christliches Vierte Jerusalem
Postkarten Jerusalem
Souvenirshop Jerusalem
Klagemauer Jerusalem
Klagemauer

Übrigens: Falls Du an Tipps zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Jerusalem interessiert bist – hier findest Du meinen großen Jerusalem Guide!
Alle wichtigen Sehenswürdigkeiten, coole Locations und wertvolle Tipps für Jerusalem auf einen Blick

Orthodoxe Juden Jerusalem

Aber irgendwie blieben in mir immer noch Fragen offen. Normalerweise bekomme ich recht schnell ein gutes Gespür für eine Stadt; das ist kein Wunder, nach fast zwei Jahrzehnten Fliegerei und diversen spontanen und weniger spontanen Übernachtungen in mir bis dahin manchmal fremden Städten entwickelt man seine eigene Routine, was das Erkunden und Erspüren einer Stadt angeht. Außerdem halte ich mich selbst ja ganz bescheiden für die ungekrönte Königin des Speed Sightseeings (gut, diverse Crewkollegen, die mich schon zu den verrücktesten Speed-Sightseeing-Aktionen kurz vor Pickup anstifteten, könnten mir den Titel streitig machen) und da sollte Jerusalem in knapp vier Tagen doch kein Problem darstellen. Tat es aber.

Jerusalem und seine Geschichte: Das Zentrum dreier großer Weltreligionen

Jerusalem ist das Zentrum drei großer Weltreligionen: Christentum, Judentum und Islam. Was seit jeher ein Konfliktpotential birgt, denn wie es halt so ist in der Geschichte der Menschheit: Teilen klappt meist nicht so gut. Ich bin nicht religiös, aber manchmal glaube ich, dass ich einen Hang zum Spirituellen besitze, den ich selten öffentlich thematisiere, weil, mal ehrlich, das hört sich mehr nach barfuß tanzenden, geistig entrückten Sektenjüngern in selbstgebatikten Gewändern an als alles andere.

Klagemauer Männer

Trotzdem meinte ich schon wieder, in Jerusalem die besondere Energie dieses Ortes am eigenen Leib zu spüren – ob es am Ort selbst lag, seiner Geschichte oder an der Bedeutung, die Millionen Gläubiger Jerusalem beimessen und in Scharen hinpilgern? Als ich am Flughafen in Tel Aviv landete, scherte auf dem Weg zur Passkontrolle genau vor mir eine inbrünstig singende, 40köpfige Gruppe von fröhlichen Pilgern ein, der Aufschrift ihrer bedruckten Shirts nach kamen sie für eine Pfingstreise von der Elfenbeinküste und ihre weitgehende Unbeholfenheit im Umgang mit Passkontrollen und dem ganzen Reiseklimbim im Allgemeinen ließ vermuten, dass diese Reise für sie ein außergewöhnliches Ereignis in ihrem Leben darstellte. Diese religiöse Hingabe der vielen Pilger und Wallfahrer ist auch in der Stadt selbst deutlich zu fühlen.

Al Aqsa Moschee Jerusalem
Jerusalem Tischdecke

Ausflug in die City of David – ein Vormittag auf den Spuren von Indiana Jones

Eines Morgens dann fuhren wir in die City of David, die Davidsstadt. Eine eher weniger mit touristischer Aufmerksamkeit bedachte Stelle in Jerusalem, wollen die meisten doch die Klagemauer sehen und die Altstadt entdecken. Die City of David ist eine archäologische Ausgrabungsstätte, die der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden ist und Funde aus der Zeit zeigt, in der König David (der aus David und Goliath – es wird biblisch!) vor 3000 Jahren Jerusalem zur blühenden Stadt machte. Insgeheim hoffte ich, dass dieser Programmpunkt schnell an mir vorüberziehen würde – Ausgrabungen ansehen, das klang nicht gerade verlockend. Ich meine, die halbe Stadt ist alt, das braucht man sich doch nicht extra ansehen?

City of David Davidsstadt Jerusalem
City of David Davidsstadt Jerusalem

Archäologie in Jerusalem: Spannende Funde und Erkenntnisse

Ich wurde eines Besseren belehrt. Wir stiegen hinab in eine unterirdische Höhle, bekamen einen kleinen Auffrischungskurs in Sachen Altes Testament (den ich bitter nötig hatte), denn wir standen sozusagen mittendrin in dessen Schauplatz, schauten uns eine sehr realistische Multimedia-Präsentation des alten Jerusalems an und bestaunten das unglaublich raffinierte Bewässerungssystem: Wir schlängelten uns durch schmale Gesteinsspalten, die damals als Wasserzufuhr für die umliegenden Felder in das Gestein gemeißelt worden sind und konnten nicht fassen, dass das hier mehrere tausend Jahre alt sein sollte.

City of David Davidsstadt Jerusalem Tunnel

Auch der Hiskija-Tunnel aus dem 8. Jh.v.Chr., ein unterirdischer Kanal zur Wasserversorgung, wurde erschlossen und kann in fast der gesamten Länge besichtigt werden. Der besondere Spaß: Bis heute führt dieser Tunnel mindestens kniehoch Wasser und muss durchwatet werden! Wasserfeste Schuhe und Taschenlampe (sind Pflicht!) können vor Ort erworben werden.

Hiskija Tunnel Jerusalem
Der Eingang zum Hiskija-Tunnel: Es wird nass und dunkel

Archäologie live: Die neueste Entdeckung in der City of David

Zur Zeit wird noch eine weitere große Entdeckung freigelegt: In einer der Öffentlichkeit bisher nicht zugänglichen Ausgrabung wird der mehrere hundert Meter lange Pilgerweg vom Shiloah-Becken (dort unterzogen sich die Gläubigen der rituellen Waschung) bis hinauf zum Tempel der Stadt ausgegraben. Was heute ein unterirdischer Tunnel ist, für den wir ganz schön hinabsteigen mussten, war vor 2000 Jahren eine Straße unter freiem Himmel – so viel wurde in den darauffolgenden Jahrhunderten darüber gebaut! Live und in Farbe durften wir uns die laufenden Grabungsarbeiten ansehen – und plötzlich schien Archäologie ziemlich aufregend. Bald wird dieser Tunnel übrigens auch für die Öffentlichkeit zugänglich sein – und das wird großartig werden!

City of David Ausgrabung
Jerusalem City of David

Wieder draußen, genossen wir die Aussicht aufs Tal, hinter uns ein Hang, auf dem sich die Wohnhäuser des umliegenden Viertels türmten. Die verschiedenen Gesteinsschichten verrieten auch hier, dass jede Menge Geschichte in diesem Hang steckte.
„Weißt Du, der Grund auf dem Jerusalem steht, besteht aus unzähligen Schichten von Bausubstanz. Nichts wurde entfernt. Es wurde Jahrtausende einfach nur Schicht für Schicht aufeinander gebaut.“, sagte unsere israelische Begleitung Maria. „Die große archäologische Frage ist in Jerusalem nie, ob man etwas findet – denn man findet immer etwas, das ist sicher. Die Frage ist nur, ob es sich lohnt, das, was man bisher entdeckt hat, zu zerstören, um noch weiter zu graben.“

City of David Davidsstadt Jerusalem

Mein undefinierbares Gefühl zu Jerusalem zerfloss und ich machte meinen Frieden mit der Tatsache, dass ich meine Fragezeichen in Bezug auf Jerusalem wohl nie lösen können würde. Wie sollte man auch je eine Stadt einordnen können, unter deren Oberfläche die Geschichte der Menschheit aus Jahrtausenden vergraben ist?

Praktische Tipps zur City of David

Die City of David befindet sich unweit der Altstadt, hinter der Klagemauer, wenn man durch das Misttor hindurch geht.

Zur Website der City of David*

Tour durch die City of David buchen*

Ich würde einen halben Tag einrechnen, um das ganze Areal in Ruhe zu erkunden – bei einem Tagestrip ist das wahrscheinlich schwer. Aber ohnehin ist meiner Meinung nach ein einziger Tag für Jerusalem viel zu wenig. Und die City of David ist wirklich eine Location, die ich euch sehr ans Herz legen möchte, am besten mit einer Führung – mir hat es sehr geholfen, Jerusalem ein bisschen besser zu verstehen.

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Alle Berichte aus Israel auf einen Blick:

Flaggen Israel

Schaut auch einmal bei meinen Bloggerkolleginnen vorbei! Mit mir in Jerusalem waren Nina von Good Morning World, Katrin von Before we die, Claudia von Dinner um 8 und Ina von Ina isst.

Disclaimer: Ich wurde von iTravelJerusalem und der Jerusalem Development Authority zum Jerusalem Travel Bloggers’ Summit 2019 eingeladen.

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4 Antworten

  1. Liebe Tatiana, jetzt wo ich das lese und die Bilder sehe, finde ich es schade, dass ich nicht die Fähigkeiten von Hermine aus Harry Potter besitze, nämlich an mehreren Orten gleichzeitig zu sein. Das liest sich total spannend.
    Freue mich schon auf mehr.
    Liebste Grüße
    Claudia

    PS: bin dann sofort beim Streetfoodartikel aus Saigon hängengeblieben

    1. Oh Ina, freut mich, dass der Artikel Dir so gut gefällt!

      Danke für die tolle Zeit in Jerusalem – so schön, dass ich Dich kennenlernen durfte!

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Wer bloggt hier?

Hey! Ich bin Tatiana. Um die Welt zu reisen, war schon als Kind mein Traum. Mit 21 bin ich dann Flugbegleiterin bei einer deutschen Airline geworden.
2015 habe ich The Happy Jetlagger gegründet und bin seitdem auch als Bloggerin, Fotografin und Reiseinfluencerin unterwegs. Hier auf meinem Reiseblog The Happy Jetlagger teile ich Tipps, die vielleicht auch anderswo zu finden sind, aber nirgends so unterhaltsam.

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