Im Stadtteil Shibuya in Tokyo findet man eine der faszinierendsten Straßenkreuzungen der Welt. Als ob in Tokyo nicht schon alles andere faszinierend genug wäre. Überall blinkt und leuchtet es, die Japaner sind gleichermaßen verrückt nach Verrücktem und dann doch wieder bemüht, in der Masse nicht aufzufallen.

In wohl allen Bereichen kommen die ausgeklügelsten Produkte aus Japan – ich habe mich zum Beispiel als großer Papierfan mit ungefähr zwanzig Kilo Schreibwaren eingedeckt. So schönes, hochwertiges Papier findet man sonst nirgendwo. Und ich habe ein ausgesprochen großes Faible für 100-Yen-Läden (100 Yen sind ca. 85 Cent) in Tokyo entwickelt, die so ziemlich alles an Dingen führen, die man nicht braucht – aber für 100 Yen, und dann noch aus Japan, dann doch wieder unbedingt. Wahrscheinlich hätte ich tagelang in den Konsumtempeln Tokyo versacken können, hätte da nicht meinen üblichen Auftrag gehabt: Tokyo sehen. In 24 Stunden.

Ob ich Tokyo so schnell nochmal wiedersehe, steht nämlich in den Sternen. Meine Zeit auf der Langstrecke ist bald vorbei, und normalerweise würde ich an dieser Stelle gerne etwas Rührseliges wie „leider, leider“ oder zumindest „mit einem lachenden und einem weinenden Auge gehe ich“ schreiben. Fakt ist aber, dass das eine Auge immer mehr lacht und das weinende Auge oft eher aus anderen Gründen weint. Nicht jeder Job ist für jeden geeignet – eine banale Erkenntnis. Aber immerhin habe ich dann doch etwas in den letzten sieben Monaten gelernt.

Shibuya – die verrückteste Kreuzung der Welt

Zurück zu Shibuya. Tokyo hat ja kein richtiges Stadtzentrum. Trotzdem fühlt sich die Kreuzung vor dem Bahnhof Shibuya an wie das Epizentrum Tokyos. Das denken auch viele andere Touristen und klettern auf Blumenkästen für die bessere Fotoperspektive oder versuchen, einen der Fensterplätze im Starbucks in der zweiten Etage eines Eckgebäudes zu ergattern, von denen man die perfekte Draufsicht auf die krasseste Kreuzung Tokyos, wenn nicht sogar der Welt, hat. (Übrigens: das mit dem Fensterplatz im Starbucks kann man bei wenig Zeit knicken, versucht es erst gar nicht.) Hört sich alles lächerlich an, aber ich bin auch ein paar Mal über die Kreuzung hin und her gelaufen. Weil Japaner einfach faszinierend sind. Wie choreografiert laufen alle bei grün los, zügig, aber nicht hektisch. Trotz der Menschenmengen wird nicht geschubst, nicht gerempelt, nicht genervt. Alles fließt. Keiner der Autofahrer hupt oder drängelt. Und bei rot? Ist die komplette Straße schlagartig wieder frei von Fußgängern, und Autos schwirren sanft über die Kreuzung. Japaner sind halt einfach elegant.

Hachiko – der berühmteste Hund Japans

Der Bahnhof Shibuya ist übrigens genauso gigantomanisch, hunderte Bahngleise auf mehreren Ebenen, ein wahres Labyrinth. Sollte man sich mal anschauen. So wie den Hund Hachiko, der als Bronzestatue über den Bahnhofsvorplatz wacht. Hachiko holte in den 30er Jahren sein Herrchen immer vom Bahnhof ab, bis dieser irgendwann starb. Hachiko kam aber trotzdem weiter täglich zum Bahnhof, und das über zehn Jahre lang. Wahre Hundeliebe eben.

Als Reiseführer hatte ich mir übrigens spontan diesen hier noch kurz vorher am Flughafen in München gekauft – ohne Reiseführer in Tokyo geht gar nicht, wie ich fand!

Dumont Direkt Reiseführer Tokyo*

*Affiliatelink

Pinne diesen Artikel auf Pinterest: