A hidden place: Marble Mountains in Da Nang


Marble Mountains

Wie gesagt, der Motorradtrip mit Duc hielt so manche Überraschung für mich bereit. Alle paar Kilometer hielten wir an, und Duc erzählte mir eine Geschichte, zeigte mir die schönsten Aussicht oder lud mich einfach irgendwo zum Essen oder zum Kaffee ab. In Da Nang hielten wir dann… an einem an einem der Marmorberge rangetackertem Aufzug.

Aha.

Er würde nicht mit rauf, kauft mir jetzt aber ein Ticket und dann könnte ich ja wieder runterlaufen. (Was sich jetzt hier in einem Satz zusammenfassen lässt, war auf Grund Ducs fantastischem Englisch und meinem nicht minder fantastischem Vietnamesisch eine viertelstündige pantomimische Showeinlage.)

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Mehr brachte ich aus Duc nicht heraus, also fuhr ich einfach hoch. Wahrscheinlich nur eine öde Touristenfalle, dachte ich, und suchte oben angekommen sofort den schnellsten Weg nach unten. Gar nicht so einfach – Schilder gab es nicht, ich wusste nicht mal, wo ich da gelandet war; und viele verschlungene Wege führten zu ein paar Tempeln und Buddhastatuen – aber nicht nach unten zu Duc.

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Ein paar Touristen waren jedenfalls auch unterwegs, also war das hier wohl tatsächlich eine Art Touristenattraktion. Von einer der alten Damen vorm Tempel liess ich mir ein paar Räucherstäbchen aufschwatzen und genoss kurz die Stille, bis ich mich weiter auf den Weg nach unten machen wollte.

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Dank der fehlenden Beschilderung irrte ich ein wenig umher, bis mir ein paar Vietnamesen zwischen den dicht bewachsenen Wegen um den Tempel “here, here!” zuriefen. Ich also einfach hinterher. (Hm. Als Alleinreisende sollte ich wohl an diesem naiven Reflex wohl noch etwas arbeiten – fremde Männer rufen “hier entlang” und ich Schaf latsche einfach drauflos. Auch etwas leichtsinnig.)

Der Weg führte hinter dem Tempel entlang und wurde dunkler und dunkler. Der ein oder andere Tourist irrte ebenfalls umher. Meine Neugier war geweckt. Plötzlich stand ich in einer riesig hohen und dabei dicht bewachsenen Höhle – und fühlte mich wie Indiana Jones. Was sollte das hier sein? Ich blickte kurz in die dunklen, schummrigen Ecken der Höhle. Da standen doch tatsächlich die schönsten Buddhastatuen. Einfach so.

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Leider konnte ich den Moment nicht ganz geniessen, einer der “here, here”-Männer hatte schon seine Chance gewittert, rannte auf mich zu und entriss mir meine letzten Räucherstäbchen, die ich eigentlich als Souvenir behalten wollte. Ich rannte hinterher, und was erst als versuchter Handtaschendiebstahl erschien, war wohl eher als Höhlenführung gedacht. “Here, to get lucky, get lucky!” zündete mein neugewonnener Höhlenführer ein Räucherstäbchen an, drückte es mir in die Hand und bedeutete mir hektisch, es vor einer Buddhastatue einzustecken. “Buddha good, Buddha good!” rief er schrill. Zeit zum näheren Hinsehen blieb mir nicht, denn mein Tourguide hatte schon längst das nächste Räucherstäbchen angezündet und scheuchte mich zur nächsten Statue. Wir müssen ein tolles Bild abgegeben haben; der offensichtlich mit zuviel aufputschenden Drogen abgefüllte angebliche “Tourguide”, der manisch mit mir von einer dunklen Ecke zur anderen rannte, und ich naives Schaf, dem die Situation langsam unheimlich wurde, sich aber trotzdem dafür entschied, die “Führung” erstmal mitzuspielen, und hinter dem mit meinen Räucherstäbchen wedelnden Höhlenführer auf Speed hinterherrannte.

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Zum Glück war meine Packung Räucherstäbchen bald komplett abgefackelt, die “Führung” war zu Ende, und ich drückte dem guten Mann ein paar Dong in die Hand, die er mir schon ganz selbstverständlich entgegenstreckte. In meine Hand nahm ich dann ganz schnell meine Beine, denn ich hatte wirklich Bedenken, ob ihm sein Trinkgeld reichen würde…

Nun denn. Wieder was gelernt. Hier muss man sich also vor rumlungernden “Tourguides” in Acht nehmen.

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Der Weg hinunter gestaltete sich allerdings entspannter, plötzlich tauchten riesige Touristengruppen auf – mir war jetzt nicht mehr mulmig zumute – und irgendwie hatte ich halbwegs eine Orientierung. Unterwegs entdeckte ich eine Höhle nach der anderen, große und kleine, manchmal so klein, dass man sie nur durch Klettern und Krabbeln erreichen konnte. (Ich empfehle gutes Schuhwerk!)

Jede Höhle war ein Erlebnis für sich!

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Infos:

Der Aufzug ist kostenpflichtig, genauer Preis ist mir entfallen – war aber nicht der Rede wert 😉

Die Marmorberge befinden sich relativ zentral in Da Nang, Reiseveranstalter bieten diverse Touren dorthin an.

Unbedingt festes Schuhwerk einpacken, der Abstieg ist nichts für Highheels, und die steinernen Treppen und Höhlen sind oft rutschig. 

Achtung vor vermeintlichen Tourguides (s.o.) und vor Verkäufern nach Verlassen des Berges. Sobald man die letzte Stufe hinter sich gebracht hat, heften sich diese sofort an Deine Fersen und wollen Dir erst ein nettes Gespräch und danach ihre Marmorsouvenirs unterjubeln.

 

 

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2 Comments

  • Hallo :) Dein Reisebericht ist super, man fühlt sich dabei, als wäre man direkt vor Ort! Die Bilder mit den Buddhas sind echt gelungen! Viel Spaß weiterhin auf deiner Reise. Viele Grüße, Jean http://jean-abovetheclouds.com

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