Elefanten reiten in Thailand – Spaß oder Tierquälerei?

In Thailand wird man früher oder später darauf stossen: Elefanten. Fast an jeder Ecke werden Ausflüge in Elefantencamps angeboten – und unbedarft, wie ich war, habe ich an einem teilgenommen. Wann sieht man denn schon mal einen Elefanten von nahem? Und darf ihn sogar anfassen? Auf einem Elefanten reiten? Und dass Elefanten reiten Tierquälerei sein soll, kam mir gar nicht in den Sinn. Warum auch? Pferde reitet man doch auch, und da schreit keiner nach Tierquälerei.

Vielleicht hätte ich mich aber vorher ein wenig mit dem Thema auseinandersetzen oder mich über die Unterschiede bei den einzelnen Anbietern erkundigen sollen… Ich stellte mir einfach vor, wie ich einen Tag mit Elefanten verbringen dürfte, sie füttern, ein bißchen streicheln und letztendlich einfach so ein großes Tier von nahem zu sehen. (Und auf einem Elefanten zu reiten – wobei ich mich im Nachhinein tatsächlich frage, ob das nun wirklich sein muss. Aber dazu gleich mehr.)

Also ging’s mit einer organisierten Tour ab in ein Elefantencamp außerhalb Chiang Mais, irgendwo in den Bergen.

Elephant Camp, Nordthailand

Tagestour zu Elefantencamp in Chiang Mai, Thailand

Elefanten im Elephant Camp in der Nähe von Chiang Mai, Thailand

Leider war der erste Eindruck schon vielsagend. Das Camp an sich war relativ überschaubar, eingezwängt zwischen Bergen und benachbarten Bauern. Irgendwie komisch, dachte ich. Da fährt man mitten in die Wildnis, und trotzdem ist dort kein Platz für die Tiere. Elefanten sind ja nun nicht gerade klein, die brauchen doch Auslauf? Überhaupt überkam mich ein seltsames Gefühl von Enge, als ich den ersten Elefanten sah, der sich mit nicht gerade bequem aussehenden Fussketten merkwürdig geistesabwesend immer wieder hin und her wiegte. Der sah nicht glücklich aus. Okay, ich schob das Gesehene erstmal beiseite. Immerhin waren hier Elefanten. Ganz frei! (Haha. Dachte ich mir später.)

Wir warfen uns in unsere vor Ort ausgeliehenen Mahout-Klamotten. Mahout, das ist der Elefantenbändiger, der durch Körpersprache dem Elefanten sagt, was er machen soll. Ach, wie schön, dachte ich. Da kann man sich allein durch Körpersprache sich einen Elefanten zum Freund machen. Die sind hier echt nett zu den Tieren. (Wieder haha.)

Mahout mit Elefant im Elefantencamp in Chiang Mai

Mahout mit Seife für Elefanten, baden mit Elefanten in Thailand
Naturseife inklusive Badeschwamm für das Elefantenbad…

Zunächst gab’s also erstmal eine Einführung in die Elefantensprache. Also sowas wie „Sitz“, „Platz“ und „Gib Rüssel“. Ganz goldig. Bis der erste Haken zum Einsatz kam: Spurte ein Elefant nicht, holte einer der Betreuer einen langen spitzen Metallhaken hervor und damit setzte es dann was für den Elefanten. Ich war leicht geschockt. Unser Guide kannte wohl schon diesen ungläubigen Blick erschrockener Touristen und erklärte sofort, dass das ja den Elefanten so überhaupt nichts ausmachen würde, davon merken die durch ihre dicke Haut gar nichts.

Was soll ich sagen? Ein Teil von mir wollte ihm tatsächlich glauben, denn was danach folgte, war für mich ein einmaliges Erlebnis: Ich ritt barfuss ohne alles auf einem Elefanten! Ich badete mit „meinem“ Elefanten! Ich war so fasziniert von der Größe und Ruhe eines so großen Tieres! Es war der Wahnsinn.

Baden mit Elefanten in Thailand, Reiten auf Elefanten ohne Stuhl

Baden mit Elefanten, Ausflug in Chiang Mai, Thailand, Elefanten reiten ohne Stuhl

Aber ich konnte die negativen Eindrücke einfach nicht loswerden. Mir war als wäre ich Teil von etwas nicht so Schönem gewesen und hätte mit dafür gesorgt, dass solch tollen Tiere Leid erfahren. Denn irgendwas stimmte dort nicht. Obwohl ich kein Elefantenexperte bin, weiß ich, dass glückliche Tiere irgendwie anders aussehen. Dieser Metallhaken, der ständig benutzt wurde, die Fußketten, die traurigen Elefantenaugen, die abgeschürfte Haut… Wer aus meiner Gruppe nicht ohne alles auf dem Elefanten reiten wollte, dem wurde ein klappriger Metall-Stuhl auf den Elefantenrücken geschnallt – auch eine Konstruktion, die für den Elefanten nicht gerade bequem aussah. Nachher habe ich dann erfahren, dass diese Stühle schlimme Verletzungen bei den Elefanten verursachen.

Ich möchte diese Erfahrung nicht missen, dennoch würde ich jedem raten, nicht so dumm und unwissend wie ich an einem solchem Ausflug teilzunehmen. Es soll Elefantencamps geben, die sich deutlich besser um ihre Elefanten kümmern. Dort wird auch nicht auf den Elefanten geritten – das tut eigentlich ja auch nicht Not. Den schrecklichen Haken sucht man auch vergebens. Und man kann trotzdem die Nähe dieser tollen Tiere genießen!

„Gute“ Elefantencamps sind allerdings schwer zu finden. Denn mittlerweile wissen auch die Betreiber, dass immer mehr Touristen auf eine artgerechte Haltung bestehen – und die schwarzen Schafe unter den Elefantencamps flunkern ganz schön und vermitteln vordergründig totale Tierliebe. Am besten ihr informiert euch vorher auf Plattformen wie TripAdvisor*, dort kommen viele Meinungen zusammen und ihr bekommt ein besseres Bild über das Camp. Sehr bekannt und gute Rezensionen hat in Chiang Mai der Elephant Nature Park* bekommen. Dort wird auch nicht auf den Elefanten geritten – sondern man erlebt die Elefanten in einer natürlichen, liebevollen Umgebung. Ausflüge dorthin lassen sich überall in Chiang Mai buchen, fragt einfach explizit nach dem Elephant Nature Park.

Elefanten im Elephant Camp, Nordthailand

Baby Elefant im Elephant Camp, Chiang Mai, Thailand


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