Cameron Highlands: Teeplantagen und Wandern in Malaysia

Ich bin ungeduldig. Und neugierig. Wenn ich das erste Mal in einem Land bin wie neulich in Malaysia, dann will ich immer sofort alles sehen. Am besten das ganze Land auf einmal. Ziemlich utopisch. Also versuche ich so zu planen, dass ich ein paar wenige, dafür aber möglichst verschiedene Gegenden bereise. Das geht in Malaysia zum Glück gut, das Land ist klein und mit Bus, Bahn, Auto, Flugzeug oder Boot kommt man schnell und bequem voran. Ein Hoch auf die Fortbewegungsmöglichkeiten in Malaysia! Nach einem Wochenende Kuala Lumpur fuhr ich also mit dem Bus weiter in die Cameron Highlands, nach Tanah Rata. Mitten ins Inland, mitten in die Berge, mitten in die Teeplantagen. Natur pur. Und so ziemlich das totale Gegenteil von busy Kuala Lumpur. Und die frische Luft erst. Ein bisschen kühler – aber sommerlich angenehm.

Sonnenaufgang in den Cameron Highlands: Die Magie der Natur

Als Stadtkind hielt ich mich nie für besonders naturverbunden. Was sich aber seit einiger Zeit ändert. Liegt vielleicht am Alter, oh je. Oder daran, dass Berlin, die Stadt, in der ich wohne, einfach zu sehr Stadt ist: zu rauh, zu grau, zu voll. Das nervt und lässt meine Begeisterung für das Stadtleben manchmal schwinden. In fremden Städten finde ich mich dafür aus dem Stand gut zurecht. New York, Bangkok, São Paulo – egal. Große Städte sind mein Revier. Und beeindrucken mich gerade gar nicht mehr, weil die Herausforderung fehlt.

Was mich dafür aus den Latschen haut: Ein ganz simpler Sonnenaufgang. Sieht man in Berlin höchstens beim Heimkommen vom Club. Aber ein Sonnenaufgang über den Bergen der Cameron Highlands, voll mit sattgrünen Teeplantagen und ursprünglichem tropischen Wald – das ist echt aus-den-Latschen-hauend. Und plötzlich ist man eingesogen in diesen großen Naturalltag – und ist selbst ganz klein.

Malaysias Teeparadies

Die Teeplantagen in den Cameron Highlands sorgen dafür, dass die Landschaft übersät ist mit sattgrün leuchtenden Feldern. Denn für unseren Tee pflückt man immer nur die ganz jungen, hellgrünen Blätter, während die älteren, dunkelgrünen am Strauch bleiben. Und so ziehen sich die Teeplantagen wie eine hellgrüne Decke über die Berglandschaft der Cameron Highlands. Die Teeplantagen hier sind übrigens – wie sollte es auch anders sein – eine Erbschaft der Engländer, die hier zu Kolonialzeiten perfekte Bedingungen fanden, um ihren geliebten Tee anzubauen. Mildes tropisches Klima, nicht zu warm, nicht zu kalt.

Und nicht nur den Tee brachten die Engländer mit, sondern auch jede Menge Landrover, um durch die abenteuerliche Landschaft zu kommen. Bis heute findet sich die weltweit höchste Dichte an Landrovern in den Cameron Highlands!

Der Mossy Forest

Die Teeplantagen sind schon mal beeindruckend. Aber in den Cameron Highlands trifft man auch auf ein Stück Regenwald, hoch oben in den Bergen. Feucht, und über und über mit Moos bedeckt.

Das unfassbar lange braucht, um nur ein paar Millimeter zu wachsen. Daher gibt es einen Teil des Mossy Forests, den man über einen Holzsteg erkunden kann – und am besten macht man dies frühmorgens, denn ansonsten muss man das beeindruckende Naturerlebnis mit vielen anderen Touristen teilen.

Ein paar Tipps für die Cameron Highlands

Es gibt zwei große Produzenten mit Teeplantagen in den Cameron Highlands: BOH Tea und Bharat. Beide unterhalten Besucherzentren, in denen man Tee einkaufen, probieren und bei der Herstellung zusehen kann. Oder man läuft einfach durch die grünen Felder. Auch schön.

Rund um Tanah Rata gibt es zahlreiche Wanderwege. Die sind zwar nicht unbedingt gut ausgeschildert, aber in so ziemlich jeder Unterkunft gibt es mehr oder weniger genaue Karten. Nur sollte man echt vorsichtig sein, die Wege sind mitunter abenteuerlich und verletzt irgendwo im malaysischen Urwald liegen ist doof. Also besser mindestens zu zweit losgehen und ein kleines Survival-Kit mit Wasser, Handy etc. immer dabei haben.

Noch ein großer Touristenmagnet in den Cameron Highlands sind übrigens die Erdbeerfarmen. Finden Asiaten vielleicht spektakulär, aber das hat mich jetzt nicht besonders vom Hocker gerissen. Die Butterfly Farm ist klein und übersichtlich, gibt aber trotzdem einen schönen Eindruck von der Natur rundherum. Und ich habe dort zum ersten Mal Schmetterlinge gesehen, die so groß waren (und auch fast so aussahen) wie Fledermäuse.

Unterkünfte in Tanah Rata sind vom Preis-Leistungsverhältnis teurer als anderswo – und auch wesentlich einfacher. Macht aber nichts, denn in den Cameron Highlands läuft man ja eh den ganzen Tag nur herum und fällt abends todmüde von soviel Sauerstoff und Naturspektakel ins Bett. Zwei beliebte Unterkünfte (die mir sogar von meinem Uber-Fahrer in Kuala Lumpur empfohlen wurden) sind Gerard’s Place und Father’s Guesthouse, die zusammen gehören.

In Tanah Rata gibt’s eine gute Auswahl an Restaurants und Cafés, sogar einen Starbucks, für die, die es gar nicht ohne aushalten. Das beste Frühstück aber fand ich am Straßenrand, an einem der Selfservice-Stände mit Plastikhockern und Klapptischen. Mit viel Reis, Chili und pappsüßem Nescafé. Hört sich skurril an. War’s auch. Und unglaublich lecker.

Cameron Highlands war nur ein Stopp von vielen auf meiner Reise durch Malaysia und Singapur. 
Mehr gibt’s es hier zu lesen: 
Kuala Lumpur City Guide – Sehenswürdigkeiten und eine krasse Rooftop-Bar


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2 Comments

  • Hey Tatiana, dein Bericht ist klasse - ich möchte sofort losziehen. Besonders schön finde ich deine Aussage, dass dir bei den Großstädten dieser Welt durch Berlin die Herausforderung fehlt. Ich hingegen (komme aus dem schönen Mainz a Rhein, nicht gerade ein Dorf, aber bei weitem keine große Stadt) fühle mich immer so, als würde mir jeder ansehen, dass ich vom "Dorf" komme. Egal ob ich in Berlin oder Saigon bin :) Sehr schöner Blog, werde mich ein wenig mehr umgucken und freue mich auf weitere Berichte von dir. Liebe Grüße Magdalena
    • Liebe Magdalena, danke für die schöne Nachricht! Ich glaube, mitten in Saigon fallen wir beide garantiert gleich auf :) Ich bin nur beruflich immer viel in fremden Großstädten unterwegs, und ich glaube, das hat einfach seine Spuren hinterlassen. Dafür sind kleinere Orte für mich um so aufregender! Und viel entspannter. Sonnige Grüße aus Brasilien, Tatiana

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