Mexico City: Ballonfahren über die Pyramiden von Teotihuacán

Flugangst bei Flugbegleitern – das gibt’s wirklich. Nicht oft, und manchmal mehr, mal weniger ausgeprägt – aber immerhin. Erst recht, wenn man in andere, ungewohnte fliegende Kisten steigt, die so ganz anders funktionieren als so’n Flieger. Normalerweise bin ich da nicht sooo mimosenhaft, aber als ich in Mexico City auf die Idee kam, mit dem Heißluftballon über die Pyramiden von Teotihuacán zu fliegen (oder sagt man besser fahren?), war mir kurz vorher doch mulmig.

Ballonfahren in Teotihuacán – Sonnenaufgang über den Pyramiden

Ballonfahren – das war was Neues. Einfach so in einem überdimensionierten Weidenkörbchen durch die Luft fliegen. Und vor allem auch wieder landen! Die Landung! Wie sollte das bloß funktionieren? Ich hörte von Landungen von Ballons im Kaktusfeld und allerlei Gruselgeschichten, und die Anweisung unseres Ballonpiloten, bei der Landung ja schön die Beine einzuknicken, um die Landung gegebenenfalls bestmöglich abpuffern zu können und sich nicht gleich die Beine zu brechen, machte es nicht besser. Naja, die Enthaftungserklärung, auch bei potientellem Verlust von Leib und Leben der Ballonfirma nicht an den Karren zu fahren, war eh schon unterschrieben – da musste ich also durch.

 

 

Teotihuacán – die Pyramiden von Mexiko City

Schon verrückt, was die Menschheit schon so alles an Völkern hervorgebracht hat. In Mexiko City sind alle Souvenirläden voll mit Aztekenkram. Aztekischer Schmuck, aztekische Handarbeit, aztekische Kunst,  Aztekenkalender – alles ganz im Zeichen der Azteken, dem Volk, das bis vor knapp 600 Jahren hier geherrscht und gelebt hat. Bis die Spanier kamen. Und dann war ziemlich schnell Schluss mit dem Volk der Azteken.

So beeindruckend und alt die Kultur der Azteken aber auch scheint, waren sie doch nicht die ersten, die sich um Mexiko City ansiedelten, denn zu diesem Zeitpunkt standen in Teotihuacán schon die Sonnenpyramide, die Mondpyramide und ein paar andere Überreste einer noch viel älteren Kultur. Die Azteken gaben dem Ort nur seinen Namen, Teotihuacán – und das heißt wohl übersetzt: Wo man zu einem Gott wird.


Das mit der Gottwerdung hat jetzt nicht wirklich geklappt – aber spirituell ist Teotihuacán irgendwie schon. Allein die Tatsache, dass Menschen vor Jahrhunderten riesige Pyramiden in diese Hochlandebene hineingesetzt haben. Einfach so, ohne dass sie einen anderen funktionalen Zweck wie z.B. die Beherbergung von Gräber oder Schätzen haben. Das macht Teotihuacán besonders. Denn von innen bestehen sowohl die Sonnen- als auch die Mondpyramide komplett aus Lehm! Und beide sind wirklich riesiger, als sie auf Bildern aussehen mögen! Oder von oben.

Mit dem Heißluftballon über die Pyramiden von Teotihuacán

Das mulmige Gefühl verflog schnell. Ich war viel zu abgelenkt von der Aussicht. Vom sanften Licht der aufgehenden Sonne. Von der Weite der Landschaft. Von den anderen Ballons, die wie Perlen aufgereiht um uns herum schwebten. Und von der atemberaubenden Stille. Wenn unser Pilot nicht gerade imposant nachfeuerte. Für jemanden wie mich, der Fliegen automatisch mit lauten, zuweilen nervigem permanenten Triebwerkgeräusch verbindet, faszinierend. Still durch die Luft schweben. Über Pyramiden, die von oben zugegebenermaßen etwas unspektakulär aussahen. Sollte sich aber später ändern. Wie lange wir flogen – keine Ahnung. Raum und Zeit schwanden irgendwie. Und die Landung? Im Kaktusfeld. Trotzdem weich wie Butter. Und fast passend genau auf den Anhänger, der Ballon und Korb wieder zurück an den Flugplatz bringt.

Akkus aufladen auf den Pyramiden

Was oben popelig aussah, war von unten nicht mehr ganz so popelig. Im Anschluss an die Fahrt gab’s noch Zeit für eine Besichtigung der Anlage zu Fuss. Wer sehr interessiert ist, kann sich am Eingang einen Führer buchen, der einem ein bisschen was erklärt. Aber gucken und selbst erkunden geht eigentlich auch. Denn das Raufklettern auf die Sonnenpyramide kann einem der Führer auch nicht abnehmen – das absolute Highlight! Also rauf auf die Pyramide, mit Treppen so steil und Stufen so hoch, dass man sich eigentlich auch locker auf allen Vieren raufhangeln kann. Wie das das gebrechliche Ehepaar um die 80 geschafft hat, die mir auf dem Weg nach oben entgegenkamen, wird mir für immer ein Rätsel bleiben. (Und hat mich für ungefähr fünf Minuten angespornt, doch mal wieder mehr Sport zu machen.)

Oben auf der Sonnenpyramide kann man dann die Aussicht genießen. Oder Energie tanken. Spirituelle laden hier nämlich gerne ihre Akkus auf. Die Spitze der Sonnenpyramide im speziellen gilt ja als energetischer Ort. So hoch oben. In gleißendem Sonnenlicht. Auch wenn ich Spiritualität wirklich nicht abgeneigt bin – ich hab’ nix von Energie gemerkt. Mag aber auch daran liegen, dass ich mich erstmal ‘ne halbe Stunde keuchend von der Rennerei nach oben erholen musste.

Die Mondpyramide, das Pendant zur Sonnenpyramide schafft man dann auch noch. Vorausgesetzt, man ist kein Herz-Kreislaufpatient. Und war generell früh genug an den Pyramiden. Denn bei sommerlichen Temperaturen ist Pyramidenbesteigen in der Mittagssonne echt kein Spaß. Trotzdem: Schön war’s.

Die Ballonfahrt inkl. Transport und Besuch der Pyramiden kann man z.B. hier buchen: Flyvolare. Und sie ist wirklich jeden Cent wert. Zum Abschluss der Fahrt gibt’s übrigens noch mit allen Mitfahrern eine Ballontaufe (heißt das so?) mit ‘nem Gläschen Sekt und zur Erinnerung kriegt man noch ‘ne Urkunde (die man sich wahrscheinlich nirgendswo aufhängt und die total zerknüsselt im Koffer landet, aber egal – die Geste der durchgängig netten Betreuung war sehr goldig). Ach ja, früh aufstehen muss man natürlich auch – sonst wird’s nix mit dem magischen Sonnenaufgang über den Pyramiden von Teotihuacán. Aber: Es lohnt sich!

Noch mehr tolle Locations zum Ballonfahren im Rest der Welt

Meine Ballonfahrt hat sich übrigens mehr oder weniger spontan ergeben. Eigentlich dachte ich ja immer, ich würde meine erste Ballonfahrt entweder in Kappadokien in der Türkei  oder in Bagan in Myanmar erleben – zwei Ziele, die gerade ganz oben auf meiner Reise-Wunschliste stehen. Es gibt einfach so viele tolle Orte, an denen man eine Ballonfahrt unternehmen kann, schaut mal bei einigen Bloggerkollegen: 

Bagan, Myanmar:
Das Tempelmeer zu meinen Füßen von Wolfgang (Wander with Wolf)

Kappadokien, Türkei:
Mein Abenteuer: mit dem Heißluftballon über Kappadokien fahren von Nicole (Passenger X)
Kappadokien: Ballonballett im Morgengrauen von Britta (Looping-Magazin)

Namibia:
Auf und Ballon von Gudrun (Reisebloggerin.at)

Ägypten:
Im Ballon über Luxor  von Gudrun (Reisebloggerin.at)

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Voilà.

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